Vom Verlagsvertrag zum Self-Publishing: Wie der Feedbackdoktor sein Buch bootstrappte (#178)

Vom Verlagsvertrag zum Self-Publishing: Wie der Feedbackdoktor sein Buch bootstrappte (#178)

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Dr. Marvin Behrendt ist als Feedbackdoktor Coach, Trainer, Speaker und Autor. Das promovierte Arbeiterkind kam über Schalke 04 und mehr als ein Jahrzehnt als Top-Führungskraft bei ThyssenKrupp in die Selbstständigkeit – und hat sein erstes Buch bewusst im Self-Publishing herausgebracht, obwohl ein Verlagsvertrag bereits auf dem Tisch lag. Eine Geschichte über Sichtbarkeit, Kontrolle und den langen Atem hinter einem Buchprojekt.

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Vom Konzern in die Selbstständigkeit

Marvins Weg ist alles andere als geradlinig. Nach Stationen auf Agenturseite und im Marketing von Schalke 04 verbrachte er über zehn Jahre bei ThyssenKrupp, zuletzt als Führungskraft im Stahl-Leadership-Team und damit unter den obersten rund 270 von 30.000 Mitarbeitenden. Parallel promovierte er über identitätsorientierte Markenführung im Profifußball, mit einer Fanbefragung von über 6.000 Teilnehmenden.

Vor zwei Jahren zog er den Schnitt. Den Übergang plante er nüchtern über Sozialplan, Elternzeit und Gründungszuschuss – kein Sprung ins kalte Wasser, sondern ein bewusst abgesicherter Start. Seitdem steht der Feedbackdoktor auf drei Säulen: dem Coaching- und Beratungsgeschäft rund um Führung und Veränderung, dem Buch und einer App-Idee.

Feedback als Geschäftsmodell

Im Zentrum steht das Thema, das ihm den Namen gab. Marvin begleitet Einzelpersonen, Teams und ganze Organisationen dabei, Feedback klarer und wirksamer zu machen – über Coachings, Trainings, Workshops und Unternehmenspakete. Sein Verständnis von gutem Feedback hat dabei wenig mit Wattebausch-Rhetorik zu tun.

„Empathie ist keine Weichspülung. Empathie ist sehr klar, ist sehr hart."

Seine Reichweite baut er fast vollständig über LinkedIn auf. Rund 25.000 Follower hat er dort gesammelt und gehört nach eigener Aussage zu den deutschen „Impressions-Millionären" mit siebenstelliger Reichweite. Diese Sichtbarkeit nutzt er als Social-Selling-Funnel – wobei er klarstellt, dass der sichtbare Erfolg nur ein Bruchteil der Arbeit ist.

„Inbound ist die Spitze des Eisberges."

Der Weg zum eigenen Buch

Genau diese Sichtbarkeit führte zu einem Moment, von dem viele Fachleute träumen: Ein Verlag kam mit einer Inbound-Anfrage auf ihn zu. Der normale Weg läuft umgekehrt – man schreibt ein Exposé, putzt Klinken und sammelt meist Absagen. Marvin hatte das Gegenteil und lehnte trotzdem ab, weil zwei Klauseln im Vertrag das nötige Vertrauensverhältnis untergruben.

Stattdessen zog er das Buch „Feedback sicher geben und nehmen" als Bootstrapping-Projekt selbst durch, im Self-Publishing über Amazon. Das Ergebnis: Platz zwei der Amazon-Nische Personalentwicklung, rund 90 Prozent der Verkäufe als Print. Beim Schreiben setzte er stark auf KI – für Recherche, Keyword-Optimierung und den Produktinhalt –, ohne sich den Inhalt aus der Hand nehmen zu lassen.

„Jedes einzelne Wort, was ihr in dem Buch lest, ist von mir geschrieben. Es hat nicht die KI geschrieben."

Die KI nennt er liebevoll seinen „schlechtesten Mitarbeiter im Team" – nützlich, aber oft eigenwillig. Realistisch bleibt er auch bei den Zielen: 40 verkaufte Bücher pro Monat bis zum Jahresende wertet er bereits als großen Erfolg, der echte Hebel liegt in Unternehmenspaketen. Auch die Tantiemen ordnet er nüchtern ein – bei einem Erstlingswerk im üblichen einstelligen Prozentbereich des Nettoverkaufspreises.

Sichtbarkeit schafft er zusätzlich über PR: Bei deutsche-startups pitchte er nicht einen einzelnen Gastbeitrag, sondern gleich eine ganze Beitragsserie, in der er ehrlich zeigt, wie ein Buchprojekt im Bootstrapping wirklich läuft – mit allen Klippen, statt der polierten Erfolgsgeschichte.

Von der Idee zur Plattform

Die dritte Säule ist noch im Bau. Ursprünglich als Feedback-App gedacht, hat sich die Idee zu etwas Größerem entwickelt: einer KI-gestützten „Personalabteilung für Unternehmen ohne Personalabteilung" – vom Recruiting über Onboarding bis zum Offboarding, gedacht etwa für den Handwerksbetrieb mit 25 Mitarbeitenden. Entwickelt wird sie mit einem Partner, der KI-Agenten orchestriert, während Marvin selbst der Flaschenhals bleibt. Bis Jahresende soll die Beta stehen.

Dass er all das als Solopreneur stemmt – neben vier Kindern in einer Patchwork-Familie und einem frischen Beiratsmandat seit dem Frühjahr – macht den Spagat umso bemerkenswerter. Getrieben wird er dabei weniger von einem fixen Umsatzziel als von der Tatsache, dass er sich seine Themen heute selbst aussuchen kann.

Was ich im Interview gelernt habe

Sichtbarkeit ist Vorarbeit, kein Zufall. Marvins Verlagsanfrage kam nicht aus dem Nichts, sondern war das Ergebnis jahrelanger, konsequenter Präsenz auf LinkedIn.

Kontrolle kann mehr wert sein als ein Verlagslogo. Ein abgelehnter Vertrag ist kein verpasster Erfolg, wenn die Bedingungen nicht zur eigenen Arbeitsweise passen.

KI ist Werkzeug, nicht Autor. Marvin nutzt sie intensiv und behält trotzdem die volle Verantwortung für jedes Wort – ein gesunder Mittelweg zwischen Hype und Ablehnung.

Learnings für Gründer

  • Bau dir deine Plattform, bevor du sie brauchst: Reichweite über die Zeit macht spätere Chancen und Verkäufe fast beiläufig.
  • Sag auch zu Träumen nein, wenn die Konditionen nicht stimmen: Vertrauen schlägt Prestige.
  • Denk in Paketen, nicht in Einzelverkäufen: Bei Fachprodukten liegt der größte Hebel oft im B2B-Geschäft.
  • Plane den Ausstieg nüchtern: Sozialplan, Elternzeit und Gründungszuschuss können den Sprung absichern.
  • Nutze KI ehrlich: Als Recherche- und Produktionshilfe stark, als Autor mit Vorsicht zu genießen.

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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.

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Andreas Lehr