RaphRoxs: MTB-Bekleidung für Frauen – mit Raphaela Franke (#182)

RaphRoxs: MTB-Bekleidung für Frauen – mit Raphaela Franke (#182)

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In Folge 182 von Happy Bootstrapping habe ich mit Raphaela Franke gesprochen, der Gründerin von RaphRoxs. Sie baut Mountainbike-Bekleidung ausschließlich für Frauen – als One-Woman-Show, komplett gebootstrapped, produziert in Italien und Portugal. Aufgenommen haben wir, während sie zwischen zwei Bike-Festivals im Bikepark saß.

Die Folge gibt es auf YouTube sowie bei Spotify, Apple Podcasts und allen anderen Playern.

Vom Elektroniker-Azubi in die Textilbranche

Raphaelas Weg beginnt weit weg von Bike-Hosen. Sie hat eine Ausbildung zur Elektronikerin gemacht und war kurz davor, Elektrotechnik zu studieren, als ihr Betrieb im zweiten Lehrjahr Insolvenz anmeldete. In der Leerlaufzeit als Azubi wurde ihr klar, wie stark sie das Kreative zog.

Sie legte eine zweite Ausbildung nach, zur Modedesignerin und Maßschneiderin, um ihre Hobbys Design und Sport zu verbinden. Ihr erster Job führte sie direkt zu Engelbert Strauss, danach zu Schöffel, wo sie Bikeware und Teamware für Skischulen und den ÖSV betreute. Das Fachwissen für funktionale Bekleidung stammt komplett aus diesen Jahren als Angestellte.

Warum eine Marke nur für Frauen

Die Idee wuchs aus ihrem privaten Umfeld. Über ihre Freundin kam Raphaela tief in die Frauen-Mountainbike-Community und erzählte dort von ihren Prototypen. Die Resonanz der anderen Mädels zeigte ihr das Potenzial. Für größere Firmen ist es oft ein Zeit- und Kostenfaktor, sich so eng auf eine Zielgruppe zu fokussieren.

Genau da setzt RaphRoxs an. Der Hauptfaktor ist die Passform, weil der Frauenkörper anders geschnitten werden muss und viele Marken hier nicht ins Detail gehen. Bei den Hosen bietet sie sieben Größen von 34 bis 46 an, jeweils in zwei Längen – macht 14 Varianten. Große Frauen müssen sonst oft in der Herrenabteilung kaufen, wo die Hose nicht überall sitzt.

Alles auf eine Karte

Anders als viele Gäste hier, die nebenher starten und erst später Vollzeit wechseln, hat Raphaela gekündigt und ist sofort komplett eingestiegen.

„Für mich war das so, ich mache es entweder ganz oder gar nicht."

Ihr letzter Arbeitstag war der 30. April 2025, gelauncht hat sie genau ein Jahr später. Blind gesprungen ist sie trotzdem nicht: Sie hatte seit ihrer ersten Ausbildung konsequent gespart, holte sich eine Unternehmensberaterin, die ihr die Angst nahm, und bekam ein finanzielles Polster von ihren Eltern dazu. Auffällig ist, wie leise sie den Schritt gegangen ist: Aus einem früheren Anlauf hatte sie gelernt, dass ständiges „Du hast doch einen sicheren Job" Energie kostet – also erzählte sie diesmal fast niemandem davon.

Die Produzentensuche war der Engpass

Der aufwendigste Teil des Jahres war nicht das Design – das ist ihr Handwerk –, sondern die Suche nach Produzenten.

„Da stand ich mir ein bisschen selber im Weg, weil ich halt immer Angst hatte, dass wenn ich da jetzt hinschreibe, sofort eine Ablehnung bekomme."

Es ging um Absagen von Fabriken, die sie noch gar nicht angeschrieben hatte. Ausgerechnet die Schnitte, die sie selbst beherrscht, gab sie an eine externe Expertin ab, um Zeit zu sparen. Produziert wird bewusst in Europa – die Hosen in Italien, die Oberteile in Portugal. Technische Textilien in kleinen Stückzahlen und guter Qualität dort zu fertigen, war die eigentliche Hürde.

Das Ganze ist kapitalintensiv. Die Hose kostet 179,95 Euro UVP und liegt damit im oberen Segment, was Raphaela mit Made in Europe, kleiner Stückzahl und dem Community-Ansatz begründet. Gelagert und verschickt wird alles aus einem 16-Quadratmeter-Raum bei ihr zuhause.

Die Community ist der Marketingkanal

Ihre Zielgruppe ist extrem spitz: weibliche Mountainbikerinnen. Genau darin sieht Raphaela den Vorteil. Die ersten Bestellungen kamen zum Launch über ihre Community, ohne dass sie Zeit für eine ausgefeilte Strategie hatte.

„Da gibt es ja nicht so dieses Ellenbogen, also eigentlich gar nicht, sondern eher dieses extremer Support und Hilfsbereitschaft."

Eine steigt in die Hose, findet sie gut, teilt es – die nächste kommt dazu. Auf Events steht Raphaela selbst am Stand, mit QR-Code für Instagram daneben. Das findet sie menschlicher als Meta zu schalten, räumt aber ein, dass es kaum messbar ist – Wirkung erkennt sie nur an Followerzahlen, Verkäufen und daran, wie voll der Stand ist. Aktuell verkauft sie im dreistelligen Bereich und ist noch voll im Aufbau.

Was ich im Interview gelernt habe

Der Launch ist nicht der Anfang der Arbeit, sondern das Ende einer langen unsichtbaren Phase. Ein Jahr Produktentwicklung ist im Textilbereich sogar schnell – von außen sieht man nur den fertigen Shop und schließt auf sofortigen Umsatz.

Eine spitze Zielgruppe kann ein Vertriebsvorteil sein: Weil die Frauen-Bike-Community sich gegenseitig trägt, wird Mundpropaganda zum Wachstumsmotor ohne Werbebudget. Und der größte Engpass war nicht fehlendes Können, sondern die Angst vor einem Nein.

Learnings für Gründer

  • „Ganz oder gar nicht" kann der klarere Weg sein – aber nur mit Absicherung. Raphaela ist Vollzeit gesprungen und hatte gleichzeitig Erspartes, eine Beraterin und ein familiäres Polster im Rücken.
  • Sichtbarkeit nach außen sagt nichts über den Reifegrad. Rechne damit, dass ein Jahr Vorarbeit von außen wie Stillstand aussieht.
  • Eine spitze Nische ist ein Feature. Je stärker der Zusammenhalt der Zielgruppe, desto besser trägt Empfehlungsmarketing – gerade ohne Ads-Budget.
  • Gib ab, was dich ausbremst, auch wenn du es selbst kannst. Raphaela delegierte die Schnitte, um schneller zu sein.
  • Die eigene Angst ist oft der größte Zeitfresser. Eine Absage vom Produzenten ist kein Scheitern – je früher man das verinnerlicht, desto schneller kommt man voran.
  • Wachse nie schneller, als du als Mensch und Unternehmer mitwächst. Raphaela will bewusst Step by Step bootstrappen.

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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.

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