FamilyManager: Wie Ben Kohler eine Familien-App neben dem Vollzeitjob baut (#184)

FamilyManager: Wie Ben Kohler eine Familien-App neben dem Vollzeitjob baut (#184)

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Ben Kohler ist Patchwork-Papa von vier Kindern, seit einem Vierteljahrhundert in der IT und Angestellter in Vollzeit. Nebenher baut er FamilyManager, eine App für die Organisation des Familienalltags. Entstanden ist sie, weil ihm der Markt nichts angeboten hat, das zu seinem Leben passte.

Ben schreibt nun übrigens auch einen Newsletter bei Substack über seine Journey.

Die ganze Folge gibt es auf YouTube, bei Spotify, Apple und allen anderen Playern.

Die blinde Stelle des Marktes

Ben und seine Partnerin haben durchprobiert, was es gibt. Family Wall, die üblichen Verdächtigen, alles einmal getestet. Und in jeder App steckte dieselbe Annahme: Eine Familie lebt in einem Haushalt, die eigenen Kinder wohnen dort, fertig. Für Patchwork- und Trennungsfamilien mit Wechselmodell war schlicht nichts vorgesehen.

„Alle Familien-Apps, zumindest die, die wir getestet und gefunden haben, gehen immer noch davon aus, dass eine klassische Familie halt, die eigenen Kinder leben im eigenen Haushalt und fertig. Und das ist aber halt nicht der Fall."

Also hat Ben angefangen. Erster Commit im Februar 2026, gebaut in den Stunden, die übrig bleiben: eine Stunde morgens, bevor im Haus Bewegung reinkommt, zwei bis drei Stunden abends, wenn alle schlafen. Am Anfang ging es auch mal bis drei oder vier Uhr nachts, das hat er inzwischen abgestellt.

familiy manager Homepage

Interessant ist, was daraus geworden ist. FamilyManager ist keine Nischen-App für Patchwork geblieben. Kalender, Aufgaben, Einkaufslisten, Speiseplan, Dokumente, Chat und Budgetübersicht funktionieren für jede Familie. Und mittlerweile melden sich Nutzergruppen an, mit denen Ben nicht gerechnet hatte: Paare ohne Kinder und Wohngemeinschaften. Für die hat er einen eigenen Onboarding-Pfad gebaut. Die Nische hat ihm den Markt geöffnet, nicht verschlossen.

Credits statt Diskussionen am Küchentisch

Das Feature, an dem sich die Produktphilosophie am besten zeigt, ist der Credit Store. Kinder verdienen sich Punkte über Aufgaben, Eltern legen fest, was jede Aufgabe wert ist und was man dafür bekommt. Müll rausbringen bringt vielleicht zehn Credits, Bad putzen zwanzig, weil das eine zwei Minuten dauert und das andere zwei Stunden. Für fünfzig Credits gibt es ein Eis, für hundert einen Kinobesuch, und wenn das Kind unbedingt das Lego-Set für 1.200 Euro will, hinterlegen die Eltern eben 5.000.

Ursprünglich war das ein reines Bildschirmzeit-System. Die Anbindung an Apples Screen-Time-Schnittstelle hätte einen aufwendigen Genehmigungsprozess bedeutet, also hat Ben etwas Offeneres gebaut. Über alle Familien hinweg stehen inzwischen mehr als 600 verschiedene Belohnungen in diesen Stores. Er legt nicht fest, was eine Familie motiviert. Er liefert nur die Struktur, das selbst zu definieren.

Verschlüsselung als Ein-Personen-Projekt

FamilyManager ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Ben sieht in seiner Datenbank nur den Namen der Familie und die E-Mail-Adresse, alles andere ist für ihn unlesbar. Gehostet wird in Europa, Backups laufen automatisch, und es gibt Wiederherstellungscodes sowie einen Reparaturmechanismus über den zweiten Erwachsenen im Haushalt.

Das ist der Punkt, an dem er selbst staunt, was heute geht.

„So eine App wie Family Manager wäre noch vor drei oder vier Jahren für einen alleine quasi ohne Funding, ohne irgendwas, nahezu unmöglich zu machen gewesen."

Der Preis dafür ist Support, den er selbst leistet, ein bis zwei Anfragen pro Woche, plus sieben Testfamilien, die neue Versionen vorab prüfen.

Free, Abo, Lifetime

Die kostenlose Version deckt viel ab: Kalender, Chat, Einkaufslisten, 100 MB für Dokumente, die Verschlüsselung inklusive. Wer alles will, zahlt 4,99 Euro im Monat oder 34,99 im Jahr, im ersten Jahr günstiger. Dazu gibt es Lifetime für 89,99 Euro. Zum Start lief ein Rabatt von 40 Euro darauf, der jetzt ausläuft.

Rund 95 Prozent zahlen nie. Genau deshalb schaltet Ben noch keine Anzeigen. Werbebudget würde bei dieser Quote vor allem Nutzer einkaufen, die kostenlos bleiben. Erst arbeitet er daran, dass während der vierzehn kostenlosen Premium-Tage überhaupt sichtbar wird, was Premium kann. Danach lohnt sich Reichweite.

Die Technik ist nicht das Problem

Ben entwickelt KI-gestützt, und er zieht klare Grenzen. Über 1.500 automatisierte Tests laufen vor jedem Merge und vor jedem Deploy, jeder Pull Request geht durch zwei Review-Schleifen, Datenbank-Migrationen macht er von Hand.

„Also Claude kann zum Beispiel bei mir nie auf Production schreiben. Sondern das mache immer ich."

Die eigentliche Lücke liegt woanders. Zwei Artikel auf iphone-ticker.de haben die Neuanmeldungen von rund dreißig auf 250 bis 300 pro Woche gehoben. Eine Woche später waren es wieder dreißig.

„Wenn wir uns mit irgendwas aufschlauen sollten als Solo-Founder, dann ist es tatsächlich Marketing."

Was ich im Interview gelernt habe

Der beste Produktfilter bleibt der eigene Schmerz. Ben hat den Markt nicht analysiert, er hat ihn benutzt und ist an derselben Stelle immer wieder angeeckt.

Eine scharfe Nische schreckt niemanden ab. Dass FamilyManager mit zwei Haushalten rechnet, hält Paare und WGs nicht davon ab, sich anzumelden.

KI hat verschoben, was eine Person allein bauen kann. Am Verkaufen hat sie nichts geändert. Das ist die Schere, in der gerade sehr viele Solo-Gründer stecken.

Learnings für Gründer

  • Baue für ein Problem, das du selbst hast. Du erkennst die Lücke, die niemand sonst sieht.
  • Eine Nische ist ein Einstiegspunkt, keine Obergrenze. Beobachte, wer sich anmeldet, ohne gemeint zu sein.
  • Lifetime funktioniert ohne laufende Kosten. Sobald ein Backend dranhängt, brauchst du wiederkehrende Einnahmen.
  • Repariere die Conversion, bevor du Reichweite kaufst. Sonst finanzierst du Gratis-Nutzer.
  • Presse ist ein Ausschlag, kein Kanal. Plane, was nach dem Ausschlag passiert.
  • Setze Guardrails, wo KI teuer werden kann. Kein Schreibzugriff auf Produktivsysteme, Migrationen von Hand.

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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.

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