Elterngeld Buddy: Vom eigenen Elterngeld-Frust zur App mit 25.000 Downloads (#195)
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Paulina Köpp hat zusammen mit ihrem Mann Ingo Elterngeld Buddy in Solingen gegründet. Die App führt Eltern per Chat durch den Elterngeldantrag und kommt auf rund 25.000 Downloads, nach knapp zehn Monaten im Store. Beide arbeiten Vollzeit daran, ohne Angestellte und ohne Investoren.
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Ein Antrag, der so nicht sein kann
Als die erste Tochter der beiden kam, waren Paulina und Ingo angestellt und hatten nebenbei ein Gewerbe, beim Elterngeld heißt das Mischeinkünfte. Paulina hat sich damals alles ausgedruckt und eigene Checklisten geschrieben. Aus dieser Erfahrung kam die Frage: Es gibt Apps für die Steuererklärung, warum nicht fürs Elterngeld?
Die Idee lag eine Weile herum. Mit einem Baby von ein paar Monaten alles hinzuschmeißen, kam für beide nicht infrage. Auf einem Spaziergang fiel dann die Entscheidung:
„Lass es doch einfach mal machen. Lass es doch einfach ausprobieren"
Offiziell gegründet wurde die GmbH im Oktober 2024, Paulina war von Anfang an Vollzeit dabei. Ingo hat im Mai 2025 seinen Job gekündigt. Paulina hat Industrial Design studiert und danach im Marketing gearbeitet, Ingo ist Softwareentwickler.
„Oder man ärgert sich in die andere Richtung, weil man es nie probiert hat und nie die Antwort darauf hat, was wäre wenn."

600 Beratungen vor der App
Eigentlich wollten die beiden nebenbei ein paar Beratungen machen und im Hintergrund die App bauen. Dann gingen auf Instagram ein, zwei Videos durch, und die Anfragen kamen im Minutentakt. Paulina hat bis 14 Uhr beraten, die Tochter aus der Kita geholt und ab 18 Uhr bis 21 Uhr weitergemacht. In einem Jahr kamen so über 600 bezahlte Beratungen zusammen.
„Wir haben tatsächlich für die Beratungen keinen Cent Werbebudget ausgegeben"
Bei einer Auswertung gaben 34 Prozent an, über eine Empfehlung gekommen zu sein. Ein Empfehlungsprogramm gab es nicht. Irgendwann haben die beiden bewusst von Monat zu Monat weniger Termine angeboten, um Zeit für die App zu haben. Was sie in den Gesprächen gelernt haben, steckt heute im Produkt: Es gibt drei, vier, fünf Fälle, die sich ständig wiederholen.
Wie die App funktioniert
Der Antrag ist in sechs Kategorien aufgeteilt, drei davon sind kostenlos. Darin klärt man unter anderem den Bemessungszeitraum, der bei manchen Eltern mit mehreren Kindern bis zu sechs Jahre zurückliegt. Die Freischaltung kostet 40 Euro, dazu gehören Planer, Elterngeldrechner und eine persönliche Checkliste.

KI steckt bisher keine in der App. Ingo hat einen eigenen Flow-Builder gebaut, Fragen und Antworten sind vorgegeben, frei eingegeben werden nur persönliche Daten. Gehostet wird in Deutschland, auch das CRM dahinter ist selbst gebaut.
„Wir wollten nicht einfach die Daten rüber schiffen auf andere Server"
Über alle Nutzer liegt die Conversion bei 12 Prozent. Bei Eltern, deren Kind schon geboren ist, sind es circa 29 Prozent. Beratungen mit 20 oder 60 Minuten gibt es weiterhin, weil Mails und DMs sonst mehr Zeit kosten würden. Langfristig soll die App sie überflüssig machen.
Vom Zufallsreel zu Meta Ads
Den größten Schub brachte ein Reel, das Paulina zwischen Tür und Angel gedreht hat: warum sich zwei Jahre Elternzeit lohnen. Damals hatte der Account etwa 1.000 Follower.
„Über Nacht kamen 3000 Follower über dieses Reel"
In einer Woche waren es rund 10.000. Laut Paulina hat es geholfen, dass Instagram den Account eher als Creator einordnet.
„Firmen haben es wahnsinnig schwer, organische Follower zu bekommen oder überhaupt Interaktionen."
Für die App reicht organische Reichweite allerdings nicht, weil die Marge pro Kunde viel kleiner ist als bei einer Beratung. Heute ist Meta Ads der wichtigste Kanal, dazu kommen Empfehlungen. Über ein Partnerprogramm können Hebammen ihren Eltern einen Rabattcode mitgeben.
ChatGPT, Länderformulare und eigene Kraft
Alle ein, zwei Wochen testet Paulina, wie weit ChatGPT beim Elterngeld kommt. Zuletzt plante es zwölf Monate Basiselterngeld und danach zwölf Monate Elterngeld Plus, was so nicht möglich ist.
„Stand jetzt, kommen da wilde Sachen raus"
Dazu kommt der Föderalismus. Das Gesetz gilt bundesweit, aber einzelne Länder bringen eigene Formulare heraus. Selbst das Team hinter dem bundeseinheitlichen Antrag, mit dem Ingo Kontakt aufgenommen hat, fand das verwirrend.
Gespräche mit Investoren gab es, die beiden haben abgesagt. Finanziert haben sie sich aus Erspartem, ein halbes Jahr lang von Ingos Gehalt und ein Jahr mit dem Gründerstipendium NRW, 1.200 Euro pro Person. Heute zahlen sie sich ein kleines Gehalt.
„Es hat uns auch wirklich interessiert, was können wir aus eigener Kraft schaffen"
Was ich im Interview gelernt habe
Beratung vor Produkt lohnt sich. Die 600 Gespräche haben Paulina gezeigt, welche Fälle wirklich vorkommen. Ohne sie wäre die App laut ihr nicht dort, wo sie heute ist.
Ein günstiges Produkt braucht andere Kanäle. Für 600 Beratungen reichten Instagram und Empfehlungen. Für eine App für 40 Euro braucht es bezahlte Werbung.
KI ist nicht immer die Antwort. Ein geführter Ablauf mit festen Antworten ist bei einem Formular mit Rechtsfolgen verlässlicher als ein Chatbot, der jedes Mal etwas anderes sagt.
Learnings für Gründer
- Mit einem Service starten und daraus lernen, bevor man das Produkt baut.
- Nachfrage bewusst drosseln, wenn sie vom eigentlichen Ziel abhält.
- Inhalte mit echtem Nutzen posten, nicht nur über das eigene Produkt reden.
- Partner suchen, die die Zielgruppe früh erreichen, wie Hebammen.
- Vor dem Sprung einen finanziellen Puffer aufbauen und Förderprogramme prüfen.
- Investorengeld nur nehmen, wenn es zur eigenen Vision passt.
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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.
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