4.700 Euro MRR ohne Marketing mit PIM System für Online Shops (#169)

4.700 Euro MRR ohne Marketing mit PIM System für Online Shops (#169)

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Florian Feilmeier sitzt in Oberösterreich, 20 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze, und betreibt mit TRADElube eine Integrationsplattform und ein PIM-System für E-Commerce. Seine Plattform verbindet drei Warenwirtschaftssysteme mit Shopware, WooCommerce und Shopify – und wickelt damit den kompletten Datenfluss zwischen Backend und Online-Shop ab.

Heute hat er rund 60 Kunden und 4.700 Euro MRR. Das Besondere: Er hat die letzten fünf Jahre praktisch kein Marketing gemacht. Und das Ganze betreibt er parallel zu einem 12-Stunden-Job als Senior Softwareentwickler.

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Aus Zufall in die Fahrrad-Nische

Florian hat TRADElube nicht strategisch positioniert. Er ist in die Nische reingerutscht. 2020 stand ein Warenwirtschaftshersteller mit einer extern entwickelten Schnittstelle vor dem Problem, dass die Lösung nie zufriedenstellend funktionierte. Florian sprang ein – und hatte plötzlich seinen ersten Kunden im E-Bike-Bereich. Seitdem ist der Fahrradhandel sein Kerngeschäft, ohne dass er ihn jemals aktiv gewählt hätte.

„Da war reiner Zufall. Ich habe den ersten Kunden gehabt, der hat zufällig dieses Warenwirtschaftssystem gehabt – und seitdem arbeiten wir da zusammen."

Die Bike-Branche eignet sich dabei besonders gut für TRADElube, weil die Produkte sehr spezifisch attribuiert werden müssen: Akku-Größe, Rahmengröße, Schaltung, Bremse, Ritzel. Aber die gleichen Anforderungen finden sich auch in anderen Branchen – Elektronik etwa, oder Werkzeughandel. Genau dorthin will Florian als Nächstes expandieren.

Empfehlungen statt Marketing

Florians Wachstum lief fünf Jahre lang über einen einzigen Kanal: Empfehlungen durch die Warenwirtschaftshersteller. Die haben kein Vertragsverhältnis mit ihm, keine Provisionsabsprache, keine formale Kooperation. Sie reichen ihn einfach an ihre Kunden weiter, weil ihr Produkt durch eine funktionierende Shop-Anbindung aufgewertet wird. Eine klassische Win-Win-Situation, die Florian fünf Jahre Entwicklungszeit geschenkt hat.

„Da habe ich die letzten fünf Jahre eigentlich fast überhaupt kein Marketing gemacht – die sind alle empfohlen worden."

Erst jetzt startet er den ersten echten Marketing-Push: handschriftliche Briefe an Werkzeughändler. 20 pro Woche, mit Flyer und QR-Code. Die Idee ist, neue Branchen zu erschließen, in denen die bestehenden Empfehlungswege nicht greifen. 990 Flyer hat er noch übrig – von einer E-Commerce-Messe, auf der nur 10 Leute mitgenommen wurden.

Tracing als USP

Florian sagt selbst, dass es bei Integrationsplattformen nicht reicht, wenn die Schnittstelle „funktioniert". Bei einem Schnittstellenhersteller wird man immer als erstes verdächtigt, wenn beim Kunden etwas nicht passt – egal, ob das Problem an der Quelle liegt, am Shop oder dazwischen. Genau deshalb hat Florian ein durchgehendes Tracing in sein System eingebaut. Jeder Datentransfer wird mitgeschrieben, mit Historie, pro Produkt, pro Kanal.

„Bei Integrationssachen reicht es lange nicht, dass es funktioniert. Da muss viel mehr rein, dass es wirklich maintainable ist."

Diese Nachvollziehbarkeit ist nicht nur ein Feature, sondern sein eigentlicher Verkaufshebel. Er kann jeden Kundeneinwand binnen Minuten klären, ohne tagelang zu debuggen. Und genau das hat ihm erlaubt, seinen Support auf ein bis zwei Stunden pro Woche zu drücken – bei 60 Kunden. Wenn ein Kunde mit ungewöhnlich vielen Anfragen kommt, kann er ihn auch selbst ins Tracing einarbeiten und das Problem an die Quelle zurückspielen.

Pricing, Tech-Stack und der 12-Stunden-Job

Florians Preise sind transparent und für alle Kunden gleich: 79 Euro pro Monat für die Standard-Schnittstelle zwischen seinem Hauptwarenwirtschaftssystem und Shopware, 99 Euro für WooCommerce, 149 Euro für Shopify. Die Differenz spiegelt nicht nur die Komplexität der jeweiligen API wider, sondern auch die Kundengruppe. Wenn Kunden ihm sagen, der Preis sei „richtig fair", weiß Florian, dass er zu günstig ist – aber Preiserhöhungen für Bestandskunden sind schwierig.

Technisch baut er auf .NET in der neuesten Version, mit Blazor für das Backend, MVC für seine APIs, MariaDB Galera in einem Kubernetes-Cluster. AI-Tools wie GitHub Copilot und Claude Code nutzt er parallel – Copilot für die Detailarbeit in einzelnen Dateien, Claude Code für ganze Features, die zu 80 Prozent vorgebaut werden. Reviewt wird trotzdem jede Zeile.

Den 12-Stunden-Job behält er bewusst – nicht aus finanzieller Notwendigkeit, sondern wegen der sozialen Kontakte. Eine Woche arbeitet er halbtags vor Ort beim Arbeitgeber, eine Woche komplett zu Hause an TRADElube. Bei Notfällen ist er 15 Minuten Fahrzeit entfernt.

Learnings für Gründer

  1. Empfehlungspartner schlagen Marketing-Budget. Wenn ein bestehendes Produkt durch deine Lösung besser wird, kannst du Wachstum ohne Provisionsmodell aufbauen.
  2. Nischen findet man oft, indem man sie nicht sucht. Florians erster Kunde war Zufall – heute ist die Bike-Branche sein Kerngeschäft.
  3. Tracing und Nachvollziehbarkeit sind ein USP, kein Nice-to-have. Wer als Schnittstellenanbieter operiert, braucht eine Antwort auf „liegt das an dir?".
  4. Transparente Preise vereinfachen den Vertrieb – aber begrenzen den Umsatz. Ein einheitliches Pricing reduziert Verhandlungen, kostet aber Marge bei großen Kunden.
  5. Side Project mit Hauptjob ist kein Übergang, sondern eine Strategie. Florian behält seinen 12-Stunden-Job aus eigenem Antrieb – nicht weil er muss.

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Andreas Lehr