Vom Excel-Absturz zur digitalen Lösung für Aufzugsverwaltung mit Liftmanagement.software (#180)

Vom Excel-Absturz zur digitalen Lösung für Aufzugsverwaltung mit Liftmanagement.software (#180)

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Michael Wirth ist seit über 40 Jahren in der Aufzugsbranche, hat auf zwei Kontinenten in elf Ländern Aufzüge gebaut und berät heute mit dem Deutschen Aufzugsdienst unabhängig Betreiber, Hausverwaltungen und Fachplaner. Sein Schwiegersohn Stephan Wirth entwickelt seit 30 Jahren Software, ist seit neun Jahren selbstständig und lebt im spanischen Galicien.

Gemeinsam haben die beiden EAS360 gebaut – eine SaaS, die Wartung, Prüffristen, Angebote und Kosten von Aufzügen an einem Ort bündelt. In Folge 180 von Happy Bootstrapping habe ich mit ihnen darüber gesprochen, wie aus einer privaten Excel-Tabelle ein Produkt wurde und warum ein simpler Marktpreisvergleich in dieser Branche so viel bewegt.

Die Folge gibt es auf YouTube, bei Spotify, Apple Podcasts und überall sonst, wo es Podcasts gibt.

Vom Excel-Absturz zur Software

Am Anfang stand kein Businessplan, sondern eine verknüpfte Excel-Tabelle. Michael verwaltete damit die Aufzüge seiner Beratungskunden – bis das Konstrukt drei Tage vor einem Familienbesuch abstürzte. In genau diesem Moment kamen der Praktiker mit dem Branchenwissen und der Entwickler in der Familie zusammen.

Was als Notlösung begann, wuchs über vier Jahre zu einer echten Plattform. Bemerkenswert ist, dass die beiden nie aus einer Startup-Logik heraus starteten, sondern aus einem konkreten eigenen Problem – und daraus Schritt für Schritt ein Produkt formten, das inzwischen mehr als 320 Aufzüge verwaltet.

Was EAS360 wirklich löst

Aufzüge sind reguliert, wartungsintensiv und teuer. Prüffristen laufen, Wartungsverträge verlängern sich automatisch, Reparaturangebote landen verstreut per E-Mail und Papier. EAS360 bündelt all das an einer Stelle: Welche Anlage ist wann geprüft, welche Wartung steht an, welches Angebot liegt vor und was kostet es. Für Betreiber und Hausverwaltungen, die oft dutzende Anlagen unterschiedlicher Hersteller betreuen, ist schon diese Übersicht ein Wert an sich. Verpasste Prüffristen etwa können teuer und im Zweifel sogar haftungsrelevant werden – allein das rechtfertigt für viele Betreiber den Umstieg. Der eigentliche Hebel liegt aber woanders – nämlich in den Kosten.

Der Marktpreisvergleich als Herzstück

Kaum jemand außerhalb der Branche weiß, was eine Reparatur oder Wartung am Aufzug wirklich kosten darf. Genau diese Intransparenz nutzt EAS360 aus, indem es jedes eingegebene Angebot zum Teil einer wachsenden Datenbank macht und mit dem Marktschnitt abgleicht.

„Damit jeder der keine Ahnung hat von Aufzügen kann das System nutzen und kann feststellen, ok das ist eigentlich der Marktpreis."

Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigt Michael am Beispiel eines einzigen Kunden.

„Angebotseingang für diesen Kunden war über 600.000 Euro. Auftrag haben wir tatsächlich nur noch 325.000 Euro."

Rund 40 Prozent der laufenden Kosten in einem Jahr – nicht durch ein technisches Wunderwerk, sondern durch Transparenz. Dass Michael als unabhängiger Berater ohne Herstellerbindung agiert, verleiht diesem Versprechen die nötige Glaubwürdigkeit.

„Und das ist so mal die große Hilfe am Markt und dass man eben den Leuten hilft."

Praktiker trifft Entwickler

Der Reiz des Gesprächs liegt in der Reibung zwischen den beiden Rollen. Michael bringt vier Jahrzehnte implizites Branchenwissen mit, das sich nicht ohne Weiteres in Software gießen lässt. Stephan muss dieses Wissen aus Galicien heraus in Datenmodelle und Oberflächen übersetzen – über Ländergrenzen, über Generationen und über die Grenze zwischen Werkstatt und Editor hinweg.

Dass die beiden per Heirat verbunden sind, macht die Zusammenarbeit nicht einfacher, aber ehrlicher: Feedback ist direkt, Prozesse wachsen mit dem Produkt, und die Familie ist zugleich Team, Testumgebung und Korrektiv.

Vermarktung in einer zähen Branche

So klar der Nutzen ist, so schwer ist der Vertrieb. Die Aufzugsbranche gilt als extrem konservativ, Entscheidungswege sind lang, digitale Lösungen stoßen auf Skepsis. Wer hier verkauft, überzeugt nicht mit Feature-Listen, sondern mit Vertrauen und einem nachweisbaren Ergebnis. EAS360 wächst deshalb vor allem über Netzwerke und persönliche Empfehlungen statt über schnelle Kampagnen.

Parallel bauen die beiden das Produkt weiter aus: Mit der neuen App EAS Go können Hausmeister Störungen melden und Inaugenscheinnahmen direkt per Smartphone dokumentieren. Eine echte IoT-Anbindung an die Anlagen gibt es bewusst noch nicht – erst kommt der Nutzen für die Menschen, die täglich mit den Aufzügen zu tun haben, dann die Technik.

Was ich im Interview gelernt habe

Mich hat überrascht, wie wenig es manchmal braucht, um in einer festgefahrenen Branche echten Mehrwert zu schaffen. Kein KI-Feuerwerk, keine Sensorik an jeder Anlage – sondern konsequent gesammelte Preisdaten und eine saubere Übersicht.

Der zweite Punkt ist die Rollenteilung: Ein Domänenexperte, der das Problem in- und auswendig kennt, plus ein Entwickler, der es sauber umsetzt, ist eine erstaunlich robuste Gründerkonstellation. Und drittens zeigt EAS360, dass ein Produkt aus dem eigenen Alltag entstehen darf, ganz ohne die Absicht, „ein Startup zu bauen".

Learnings für Gründer

  • Löse zuerst dein eigenes Problem. Die abgestürzte Excel-Tabelle war der ehrlichste denkbare Product-Market-Fit-Test.
  • Mach Intransparenz zum Feature. Wo niemand die echten Preise kennt, ist eine simple Vergleichsdatenbank ein starker USP.
  • Suche die richtige Rollenteilung. Domänenwissen plus Entwicklungskompetenz schlägt zwei Generalisten.
  • Unterschätze konservative Branchen nicht. Der Vertrieb ist zäh, aber die Zahlungsbereitschaft ist da, wenn der Nutzen konkret ist.
  • Baue in der richtigen Reihenfolge. Erst der Nutzen für die Anwender, dann die aufwändige Technik wie IoT.

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Andreas Lehr