Über 3 Millionen verkaufte Bücher, 30.000 Newsletter-Abonnenten – Alex Pohl alias Oliver Moros (#179)
Alex Pohl ist hauptberuflicher Schriftsteller aus Leipzig – und schreibt unter so vielen Namen, dass die meisten Leser ihn gar nicht kennen. Unter Pseudonymen wie Oliver Moros, L.C. Frey, Rita Hansen und Ina Straubing hat der gebürtige Chemnitzer über drei Millionen Bücher verkauft, komplett im Self-Publishing.
In Folge 179 von Happy Bootstrapping habe ich mit ihm über sein Geschäftsmodell gesprochen: warum er auf maximale Unabhängigkeit statt maximalen Gewinn setzt, wie Pseudonyme zur Risikostreuung werden und weshalb er bis heute ohne Plot und ohne KI schreibt.
Die Folge gibt es auf YouTube, bei Spotify, Apple Podcasts und überall sonst, wo es Podcasts gibt.
Vom Tonstudio zum Schriftsteller
Bevor Alex Pohl vom Schreiben leben konnte, hatte er schon mehrere Berufsleben hinter sich. Er studierte Elektrotechnik, arbeitete als Ingenieur, betrieb ein eigenes Tonstudio – überwiegend für Death-Metal-Bands – und tourte als Musiker. Wirtschaftlich trug keines dieser Projekte dauerhaft, das Tonstudio erreichte nie die Gewinnzone. Erst später setzte er konsequent auf das Schreiben. Bemerkenswert ist, dass er dabei nie den klassischen Weg über einen Verlag suchte, sondern von Beginn an akzeptierte, dass der Markt über den Erfolg entscheidet – gerade in der Kunst.
Der Durchbruch und der Sprung in die Vollzeit
Nach rund zwei Jahren schrieb er seinen ersten Thriller. Untypisch fürs Genre: über 640 Seiten, ein Einzelband von einem Autor ohne Krimi-Vergangenheit. Und das in einer Zeit, in der zwei heute selbstverständliche Wachstumshebel schlicht nicht existierten.
„Das war vor Amazon Ads. Das war vor Kindle Unlimited."
Es zählten nur verkaufte Taschenbücher und E-Books – und das Buch landete auf Platz 6 der Gesamtcharts. Alex selbst ordnet das nüchtern ein, aber für ihn war es der Wendepunkt, an dem klar wurde, dass das Modell trägt und er dranbleiben will. Von dort an ging er den Weg in die hauptberufliche Selbstständigkeit als Autor.
Ein Verlag im Ein-Personen-Betrieb
Heute ist Alex Pohl sein eigener Verlag. Sein größtes Projekt, die Berliner Thriller-Reihe „Edel und Stein" (als Oliver Moros), umfasst inzwischen 21 Bände.

Vertrieb, Cover, Preisgestaltung und Marketing laufen komplett bei ihm. Die wirtschaftliche Basis verteilt sich grob auf drei Säulen: gedruckte Taschenbücher, E-Book-Verkäufe und die seitengenaue Vergütung über Kindle Unlimited. Sichtbarkeit entsteht über die Amazon-Produktseite, die organischen Empfehlungen der Plattform und Amazon Ads, für die er mit einem spezialisierten Dienstleister arbeitet. Rund ein Drittel seines Umsatzes fließt zurück in Werbung. Dazu kommt ein Newsletter mit etwa 30.000 Abonnenten, aufgebaut über kostenlose Bücher als Einstieg – ein Kanal, der ihm unabhängig von der Plattform gehört.
Pseudonyme als Risikostreuung
Der spannendste Teil des Gesprächs ist seine Definition von Erfolg. Alex denkt in Assets statt in einzelnen Verkäufen.
„Ich habe jedes Buch, das ist ein Asset. Das gehört nicht Amazon."
Jedes Buch und jedes Pseudonym ist damit ein eigenständiger Baustein, der verschiedene Genres und Zielgruppen abdeckt – Risikostreuung wie in einem breit gestreuten ETF. Fällt eine Reihe schwächer aus, tragen andere. Diese Haltung mündet in ein bewusstes unternehmerisches Ziel, das nicht die Gewinnmaximierung an die erste Stelle setzt.
„Ein anderes Modell ist das Ziel maximaler Unabhängigkeit. Und das ist das, wofür ich mich entschieden habe."
Als Vertriebskanal bleibt er von Amazon abhängig, das benennt er offen. Unternehmerisch ist er dadurch aber freier als viele, die Verlage oder Investoren im Rücken haben.

Schreiben ohne Plot und ohne KI
So datengetrieben sein Vertrieb ist, so klar ist seine Grenze beim Handwerk. Alex schreibt ohne festen Plot und entdeckt die Geschichte beim Schreiben selbst – genau darin liegt für ihn der Reiz des Berufs. Künstliche Intelligenz nutzt er für Recherche und für die Gestaltung seiner Cover, beim eigentlichen Text aber bewusst nicht. Sein Vertrauen in stetige Arbeit ist dabei entwaffnend simpel.
„Je öfter und je länger du das machst, desto besser wirst du zwangsläufig, weil keiner hat sich schlecht trainiert."
Was ich im Interview gelernt habe
Mich hat am meisten überrascht, wie konsequent Alex ein anderes Optimierungsziel verfolgt als die meisten Gründer. Nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Unabhängigkeit als oberste Kennzahl – und daraus abgeleitet ein ganzes Portfolio an Büchern und Pseudonymen, das ihn gegen einzelne Ausfälle absichert.
Dass er dabei einen Verlag nicht als Ziel, sondern als Option betrachtet, die er bewusst nicht zieht, dreht die übliche Erzählung vom „endlich entdeckten Autor" komplett um. Sein Weg zeigt, dass ein Ein-Personen-Business erstaunlich robust sein kann, wenn man Besitz, Kanäle und Risiko sauber trennt.
Learnings für Gründer
- Optimiere bewusst auf eine Zielgröße. Maximale Unabhängigkeit kann wertvoller sein als maximaler Gewinn – Hauptsache, die Entscheidung ist getroffen.
- Baue ein Portfolio statt eines einzigen Produkts. Mehrere Reihen, Marken oder Segmente wirken wie Risikostreuung und federn Ausfälle ab.
- Sichere dir einen eigenen Kanal. Ein Newsletter mit direktem Zugang zur Zielgruppe macht dich unabhängiger von Plattform-Algorithmen.
- Behandle deine Produkte als Assets. Was dir gehört, bleibt dir – auch wenn sich der Vertriebspartner morgen ändert.
- Trenne Werkzeug von Handwerk. Nutze KI dort, wo sie Zeit spart, und schütze bewusst den Kern, der deine Arbeit einzigartig macht.
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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.
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