800 WordPress-Sites in Wartung – vom Hack zum 10-Personen-Team bei wp-wartung24.de (#172)
Marc Nilius ist Geschäftsführer der Webwisser GmbH und betreibt WP-Wartung24 aus Wissen im Westerwald. Mit zehn Mitarbeitenden betreut sein Team rund 800 WordPress-Websites in der laufenden Wartung – plus rund 400 weitere, die unregelmäßig dazukommen. Damit gehört WP-Wartung24 zu den größten unabhängigen Anbietern für WordPress-Wartung im deutschsprachigen Raum.
In Folge 172 von Happy Bootstrapping erzählt Marc, wie aus einem heftigen Phishing-Hack der Website seiner damaligen Firma 2012 ein Wartungsgeschäft wurde, das heute zehn Leute beschäftigt.
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Der Phishing-Hack als Einstieg ins Thema
Marcs Weg in die WordPress-Welt begann nicht mit einem Geschäftsplan, sondern mit einem Notfall. 2012 wurde die Website seiner damaligen Firma gehackt. Über den Server gingen zehntausende Phishing-Mails raus – mit der Folge, dass die Domain jahrelang auf Blacklists hing und Marc deutschen Behörden lange Zeit keine E-Mails mehr schreiben konnte.
„Das war der Punkt, wo ich mich erstmals in meinem Leben damit beschäftigt habe: Wie sieht eigentlich WordPress-Security aus?"
Aus der Frage „wie repariert man so eine Seite eigentlich?" wurde 2015 ein Blog, dann ein Reparatur-Business für gehackte WordPress-Seiten und schließlich eine Wartungs-Dienstleistung, die durch Mundpropaganda wuchs. Was Marc heute über WordPress-Security sagt, klingt fast unspektakulär: aktuell halten, Backups machen, ein paar Sicherheitsgrundlagen einhalten. Genau diese Routinen sind das Geschäftsmodell.

Der 50.000-Euro-Switch in die Vollzeit-Selbstständigkeit
Bis 2018 lief WP-Wartung24 nebenher. Marc hatte sich vorgenommen, erst zu wechseln, wenn er die ursprüngliche Größe seiner früheren Selbstständigkeit wieder erreicht hat – konkret 50.000 Euro Jahresumsatz.
„Da habe ich gesagt: wenn du 50.000 Euro mit WP-Wartung24 machst, nebenher, dann ist der Punkt erreicht, wo ich mir sicher bin, dass das in Zukunft, wenn ich es Vollzeit mache, in die vernünftige Größenordnung geht."
2018 war diese Marke erreicht. Marc kündigte und ging Vollzeit. 2019 folgte die GmbH-Gründung – ausgelöst durch einen großen Hosting-Deal, der schließlich nicht zustande kam. Die Verschwiegenheitserklärung des potenziellen Kunden hatte Marc nachhaltig beeindruckt.
„Ich dachte mir: die haben wahrscheinlich in ihrer Rechtsabteilung mehr Mitarbeiter sitzen, als mein ganzes Unternehmen Mitarbeiter hat."
Der Deal kam nicht – die GmbH blieb. Heute betreut Marcs Team mit zehn Leuten 800 Websites in der laufenden Wartung. Die Preise starten bei 35 Euro im Monat, gehen über ein mittleres Paket um die 80 Euro bis zu individuellen Verträgen für größere Kunden.

Eigenes Monitoring-Plugin und der Plugin-Skandal vom April 2026
Standardlösungen reichten Marc irgendwann nicht mehr. Sein Team hat ein eigenes Monitoring-Plugin entwickelt, das auf allen 800 Sites läuft und zentral auswertet, was sich verändert – auf Code-Ebene, bei Plugin-Aktivierungen, beim Hosting-Status. Wie wichtig solche Tools sind, zeigte sich besonders im April 2026.
Damals wurden 30 WordPress-Plugins an einen neuen Inhaber verkauft. Der baute in jedes einzelne Plugin Schadcode ein – und lieferte ihn über die offizielle WordPress-Update-Funktion an alle Websites aus, die diese Plugins nutzten.
„Es ist nicht über eine Sicherheitslücke passiert. Es ist über den offiziellen Update-Mechanismus passiert."
Für WP-Wartung24 hieß das: Alarm. Marcs Team prüfte alle 800 Sites darauf, welche von welchem der 30 Plugins betroffen waren. Dank des eigenen Monitoring-Tools war schnell klar, dass nichts Schlimmeres passiert war.
Zielgruppen, Diversifizierung und der Blick auf WordPress 7
Der Anspruch an Wartung hat sich in zehn Jahren komplett verändert. War Wartung früher Updates plus Backups plus Sicherheitsüberwachung, geht es heute um ganzheitliche Betreuung – inklusive rechtlicher Themen, proaktiver Maßnahmen und einer guten Überwachung. Damit verschiebt sich auch die Zielgruppe: weg vom kleinen Friseurladen, hin zu Agenturen, die das für ihre Kunden brauchen, und Mittelständlern, deren IT-Abteilung das Thema nicht stemmen kann und deren Marketing-Abteilung es nicht stemmen will.

Für 2026 nennt Marc die Diversifizierung als wichtigstes Ziel. WordPress bleibt das Kernsystem, aber das Angebot soll thematisch breiter werden – das nächste Webinar dreht sich zum Beispiel um E-Mail-Phishing, ein Randthema, das Kunden trotzdem immer wieder ansprechen. Außerdem hat Marc in der Folge ein neues Daten-Produkt angedeutet, das er hier zum ersten Mal öffentlich teasert. Parallel dazu beobachtet sein Team den Rollout von WordPress 7 mit den neuen KI-Konnektoren ab Mai 2026 – inklusive der kurzfristigen Streichung des Collaboration-Features aus dem Release.
Was ich im Interview gelernt habe
Nischen-Operations können ein vollwertiges Business sein. Wartung wird gerne unterschätzt, weil sie nach „nur Updates klicken" klingt. Marcs Modell zeigt, dass aus dieser Routine ein Geschäft mit zehn Mitarbeitenden und 800 Verträgen werden kann – wenn man es ernst nimmt.
Lineares Wachstum reicht. Marc hat nie auf Hockeystick gesetzt. Viele kleine Verträge, langfristige Beziehungen, Wachstum über Empfehlungen. Das funktioniert genauso – und ist deutlich krisenfester.
Externe Ereignisse können Vertrauen schaffen. Der Plugin-Skandal im April 2026 hätte ein Reputationsproblem für die Branche sein können. Für WP-Wartung24 wurde er zum Beweis, dass das eigene Monitoring funktioniert.
Learnings für Gründer:innen
- Schwellenwerte definieren, bevor man den Schritt geht: Marcs 50.000-Euro-Marke war ein objektives Kriterium für den Vollzeit-Switch – und hat ihm Sicherheit gegeben.
- Die Krise als Chance erkennen: Aus einem heftigen Hack der Firmenwebsite wurde 14 Jahre später ein eigenes Unternehmen.
- Eigene Tools bauen, wenn der Markt nicht passt: Marcs Monitoring-Plugin wäre als externes Produkt nicht bezahlbar gewesen – inhouse ist es der wichtigste Hebel.
- Zielgruppen entwickeln sich mit dem Angebot: Wer mehr Tiefe anbietet, bekommt automatisch andere Kunden – das ist gut, muss aber kommunikativ mitgedacht werden.
- Zweifel gehören dazu: Marcs offene Worte zur Erschöpfungsphase 2019 vor der ersten Einstellung zeigen, dass auch lineare Erfolgsgeschichten ihre Wendepunkte haben.
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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.
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