Zenbox: Wie Konstantin ein Hardware-Produkt mit KI baute und 10.000€ Umsatz machte (#151)
Konstantin Singer ist 36 Jahre alt, arbeitet Vollzeit bei Mercedes an Infotainment-Apps – und hat nebenbei in 12 Monaten Zenbox aufgebaut. Ein "Physical App-Blocker", ein Digital Detox Device für 49,90 Euro. Ohne Abo, ohne Account, komplett offline.
Das Besondere: Konstantin hatte vorher keine Hardware-Erfahrung und nutzte KI (Cursor), um die iOS-App zu entwickeln. Erster B2B-Kunde steht, Ziel für Jahr zwei: 100.000 Euro Umsatz. Eine Geschichte über Doom Scrolling, durchwachte Nächte, LinkedIn-Virality und den Mut, ein Hardware-Projekt alleine zu starten.
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Von Doom Scrolling zum Physical App-Blocker
Die Idee zu Zenbox entstand aus purer Verzweiflung. Konstantins Tochter war zwei Jahre alt und schlief extrem schlecht. "Sie war drei-, viermal die Nacht wach", erinnert er sich. Als Vater mit US-Projekten war er oft um 3 Uhr morgens wach, checkte "nur mal kurz" eine Mail – und landete beim Doom Scrolling.
"Am Ende war ich immer am Doom Scrolling. Gleichzeitig brauchte ich das Handy, um mit Podcasts oder Musik wieder einzuschlafen."
Ein klassisches Dilemma: Das Handy weglegen funktioniert nicht, aber die Ablenkung raubt den Schlaf.
Konstantin recherchierte App-Blocker – alle umgehbar. Dann fand er "Brick", ein US-Device, das ihm aber nicht gefiel. "Zu der Zeit ging es auch los mit den USA-Zoll-Diskussionen", sagt er pragmatisch. Also baute er selbst.
Ein Freund empfahl Cursor, ein KI-Tool für Entwickler. "Nach drei Stunden hatte ich schon einen Prototypen, der die generellen Funktionen hatte – noch ohne das physische Device." Der erste Prototyp war ein Magnet mit NFC-Chip. "Dann war es wie ein Sog. Ich hab Nächte hintereinander bis drei, vier Uhr nachts programmiert."
Das Produkt: Hardware + Software ohne Abo
Zenbox ist ein physisches Device (49,90 Euro), das mit einer iOS-App zusammenarbeitet. User wählen Apps, die sie blocken wollen, und aktivieren den Block durch Berühren des Devices. Ohne das Device können die Apps nicht entsperrt werden – physische Distanz als Hürde.

"Es ist ohne Abo, offline, kein Account notwendig", betont Konstantin. Eine bewusste Entscheidung gegen das Abo-Modell, das bei vielen Digital-Wellbeing-Apps üblich ist. "Du kaufst einmal das Device." Manche kaufen sogar zwei: eins für die Arbeit, eins für zu Hause, eins fürs Auto.
Die Hardware wird in China produziert. Konstantin fand einen Manufacturing-Partner, der kleine Stückzahlen ermöglicht. "Ich bin digitaler Generalist. Ich kann ganz viel, aber nichts so richtig", beschreibt er sich selbst. Hardware war Neuland – aber machbar.
Der erste B2B-Kunde kommt aus der Wellnessindustrie: "Die haben als Idee, dass man so ein Digital Detox Device als Gastgeschenk bekommt" – ähnlich wie Luxushotels beim Checkout Brot oder Wein mitgeben. Mehrere hundert Devices werden abgenommen.

Marketing: LinkedIn-Virality und organisches Wachstum
Konstantins größter Marketing-Erfolg war ein LinkedIn-Post zur Handy Nutzung im Bundestag im Sommer. "Über eine Million Views", sagt er fast überrascht. Der Post brachte massiv Aufmerksamkeit und Verkäufe. Vorher hatte Konstantin im Sommerloch gezweifelt: "Ich dachte, das interessiert ja niemanden."
Seine Strategie: organischer Content auf LinkedIn. Konstantin teilt seine Entwicklungsreise, Learnings und Herausforderungen. "Man opfert schon was dafür. Man fragt sich, warum macht man das eigentlich?" Aber genau diese Authentizität kommt an.
Jetzt testet er bezahlte Ads, um zu skalieren. "Ich plane das Thema im nächsten Jahr zu skalieren." Sein Ziel: 100.000 Euro Umsatz – eine Verzehnfachung. Dafür braucht es mehr als organische Posts.
Der Newsletter läuft ebenfalls. Zenbox wird über die eigene Website verkauft, kein Amazon, kein Marketplace. Direktvertrieb, volle Kontrolle.
Die Rolle von KI: Von gescheitert zu launchfähig in 3 Stunden
Konstantin ist ehrlich: "Ich habe schon davor mal versucht, eine iOS-App auf den Markt zu bringen. Bin gescheitert. Ich hab's einfach nicht hinbekommen." Ohne KI hätte Zenbox nie existiert.
Mit Cursor, einem KI-Tool für Entwickler, baute er in drei Stunden den ersten funktionsfähigen Prototyp. "Dank KI hab ich's tatsächlich launchfähig bekommen." Die App musste durch den Apple Review – Konstantin musste sich selbst einen Brief schreiben, dass der Hardware-Besitzer ihm erlaubt, seine Hardware in der App zu nutzen. "Die waren dann zufrieden."
Android kommt noch, aber auch hier: Bürokratie. "Mal gucken, ob das wieder von Google passiert", sagt Konstantin pragmatisch.
KI ermöglicht Solo-Hardware-Gründungen. Früher wären dafür ein Developer-Team und Monate notwendig gewesen. Heute baut man es nebenbei, nachts, mit Cursor und Willenskraft.
Bootstrapping neben Vollzeitjob: Wie geht das?
Konstantin arbeitet Vollzeit bei Mercedes, kümmert sich um Productivity-Apps. Nebenbei entwickelt er Zenbox. "Man opfert schon was dafür. Ich könnte jetzt auch hier entspannt Fußball schauen oder was auch immer machen."
Sein Vorteil: klare Priorisierung.
"Ich hatte eine Liste an Ideen. Relativ lang. Und da gibt es eine Zeile: Ability to Create."
Zenbox war die Idee, die er tatsächlich umsetzen konnte – technisch und zeitlich.
Ein früheres Projekt, ClickBio (Linktree-Clone), scheiterte. "Es hat megaspass gemacht, das zu entwickeln. Aber das zu vermarkten – es hat mir überhaupt gar keinen Spaß gemacht." Ohne intrinsische Motivation stirbt jedes Side Project nach drei Monaten.
"Du musst extrem überzeugt sein von der Lösung und vom Produkt, um es länger als ein paar Wochen zu machen", fasst Konstantin zusammen. Zenbox löst sein eigenes Problem – das treibt ihn an.
Was ich im Interview gelernt habe:
KI demokratisiert Hardware: Ohne Cursor hätte Konstantin nie eine iOS-App gebaut. KI ermöglicht Solo-Gründungen in Bereichen, die früher Teams brauchten.
LinkedIn funktioniert für Hardware: Über 1 Million Views auf einem Post. Organischer Content bringt Verkäufe – auch für physische Produkte.
Eigenes Problem lösen ist der beste Start: Konstantin baute Zenbox für sich selbst. Das hält die Motivation hoch, wenn es schwierig wird.
Learnings für Gründer:
KI-Tools nutzen: Cursor, ChatGPT und Co. ermöglichen es, außerhalb der eigenen Kompetenzen zu bauen. Keine Ausrede mehr: "Ich kann kein Coden."
Side Projects brauchen intrinsische Motivation: "Wenn du nicht überzeugt bist, stirbt das Projekt nach drei Monaten." Wähle ein Problem, das dich wirklich bewegt.
Hardware ist machbar: Konstantin hatte null Hardware-Erfahrung. China-Manufacturing-Partner mit kleinen Stückzahlen machen es möglich.
LinkedIn als B2C-Kanal: Auch für Consumer-Hardware funktioniert LinkedIn. Authentische Entwickler-Stories kommen an.
Starte mit einem Prototyp: Erster Prototyp: Magnet + NFC-Chip. Kein perfektes Design nötig. Hauptsache, es funktioniert.
B2B kommt oft überraschend: Konstantin dachte an Endkunden. Der erste große Deal kam aus der Wellnessindustrie als Gastgeschenk.
10k im ersten Jahr ist realistisch: Als Side Project neben Vollzeitjob und Familie. Nicht riesig, aber ein Fundament für Skalierung.
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