Weinwunder: Wie Andreas Krause nebenberuflich einen Online-Shop für Weine aufbaut, die es in Deutschland nicht gibt

Weinwunder: Wie Andreas Krause nebenberuflich einen Online-Shop für Weine aufbaut, die es in Deutschland nicht gibt

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Andreas Krause ist Projektmanager in der Eventbranche und hat Ende 2021 weinwunder gegründet – einen Online-Weinshop mit einem klaren Alleinstellungsmerkmal: Weine, die in Deutschland sonst nicht erhältlich sind.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin betreibt er das Ganze als Family Business nebenberuflich und macht aktuell zwischen 30.000 und 50.000 Euro Umsatz im Jahr. Gestartet mit drei Weinen, heute 60 im Portfolio. Eine Geschichte über Nischenstrategie, Geduld und die Frage, wann ein überzeugter Bootstrapper doch über Finanzierung nachdenken sollte.

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Die Gründungsgeschichte

Die Gründung von weinwunder beginnt mit einer Krise. Als die Pandemie 2020 die Eventbranche komplett lahmlegte, brauchte Andreas eine Alternative. Seine langjährige Leidenschaft für Wein war da – aber der Online-Weinhandel ist ein Haifischbecken mit etablierten Playern und Millionenbudgets.

"Wenn wir was anbieten wollen, dann müssen wir was haben, was keiner sonst anbietet – das ist unsere einzige Chance mit überschaubarem Budget."

Mit dieser Erkenntnis suchte Andreas gezielt nach Weingütern in Spanien und Italien, die ihre Produkte nicht nach Deutschland exportieren. Ende 2021 ging der Shop live – mit gerade einmal drei Weinen. Jeder einzelne persönlich ausgewählt, vor Ort getestet, die Beziehung zum Winzer direkt aufgebaut.

Was als Pandemie-Projekt begann, ist inzwischen ein echtes Family Business. Seine Lebensgefährtin unterstützt ihn, der Arbeitstag beginnt um 6:30 Uhr – geweckt von den Katzen. "Für mich fühlt sich das größtenteils nicht als Arbeit an, sondern das ist Interesse – ich habe da Bock drauf", sagt Andreas über seine Motivation.

Produkt und Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell von weinwunder basiert auf vier Säulen: dem Online-Shop als Kern, Events und Weinproben als Erlebniskomponente, B2B-Geschäft mit Restaurants und Hotels sowie Kooperationen mit anderen Unternehmen. Diese Diversifikation streut das Risiko und erschließt verschiedene Kundengruppen.

Was den Shop besonders macht: Jeder Wein im Sortiment wurde persönlich ausgewählt und vor Ort getestet. Andreas reist zu den Weingütern, baut Beziehungen auf und stellt sicher, dass die Qualität stimmt. Das Portfolio ist organisch von drei auf 60 Artikel gewachsen – ohne Kompromisse. Die Expansion nach Frankreich ist bereits in Planung.

Der Umsatz liegt aktuell zwischen 30.000 und 50.000 Euro im Jahr. Andreas selbst nennt die Zahlen "sehr überschaubar". Doch bei einem nebenberuflichen Side Business ohne externes Kapital ist das ein solides Fundament. Das Ziel ist klar definiert: 2026 ausweiten, 2027 profitabel werden.

Marketing und Wachstum

Im überfüllten Weinmarkt setzt Andreas auf Authentizität statt auf Werbebudgets. Die persönlichen Beziehungen zu den Winzern sind sein stärkster Marketingkanal – jede Geschichte hinter einer Flasche ist echt, jede Empfehlung persönlich erlebt. Die Events und Weinproben schaffen direkten Kundenkontakt und bauen eine Community auf, die über den reinen Online-Kauf hinausgeht.

Das nebenberufliche Bootstrapping hat klare Vorteile: kein Druck von Investoren, volle Kontrolle über Sortiment und Wachstumstempo. Aber es hat auch Grenzen. Zeit und Kapital sind begrenzt, das Wachstum entsprechend langsam. Genau das führt Andreas an einen interessanten Wendepunkt.

Herausforderungen und Ausblick

Nach drei Jahren Aufbauarbeit denkt Andreas über externe Finanzierung nach – obwohl er überzeugter Bootstrapper ist. Der Grund: Um das Geschäft auf das nächste Level zu heben, braucht er mehr Kapital für Lagerbestand, Marketing und die Expansion nach Frankreich.

"Ich bin zu 98,9 Prozent davon überzeugt, dass das funktionieren kann – wenn wir die Intensität fahren, die das Kapital vorgibt", erklärt er seine Überlegungen. Die Herausforderung beim nebenberuflichen Bootstrapping ist eben: Mit begrenzter Zeit und begrenztem Budget dauert alles länger.

Doch eines steht für Andreas fest:

"Das ist Leidenschaft – wenn die Finanzierung nicht klappt, machen wir es trotzdem weiter."

Weinwunder ist für ihn mehr als ein Business. Es ist ein Herzensprojekt, das aus einer Krise geboren wurde und auf echten Beziehungen zu Winzern und Kunden aufbaut.


Was ich im Interview gelernt habe

Alleinstellungsmerkmal ist Pflicht: Im überfüllten Online-Weinmarkt hat man ohne echtes Differenzierungsmerkmal keine Chance – egal wie gut das Marketing ist. Andreas hat das verstanden und liefert Weine, die sonst niemand in Deutschland anbietet.

Nebenberufliches Bootstrapping braucht Geduld: Ohne externes Kapital und mit begrenzter Zeit dauert der Aufbau länger. Dafür behält man die volle Kontrolle über das Produkt und die Richtung.

Leidenschaft trägt durch Durststrecken: Wenn sich das Business nicht wie Arbeit anfühlt, hält man auch schwierige Phasen durch. Das ist bei weinwunder spürbar.

Learnings für Gründer

  • Nische schlägt Breite: Lieber ein klares Alleinstellungsmerkmal als der Versuch, mit den Großen zu konkurrieren. Andreas' Weine gibt es nur bei ihm.
  • Nebenberuflich starten reduziert Risiko: Das Haupteinkommen gibt Sicherheit für Experimente. Man kann testen, lernen und wachsen, ohne existenziellen Druck.
  • Diversifikation schafft Stabilität: Vier Säulen – Online-Shop, Events, B2B, Kooperationen – streuen das Risiko besser als ein einzelner Kanal.
  • Bootstrapping ist kein Dogma: Wenn externes Kapital das Wachstum beschleunigen kann, ist es eine legitime Option. Entscheidend ist, dass die Vision stimmt.
  • Qualität vor Quantität: 60 handverlesene Weine sind wertvoller als 600 austauschbare. Der persönliche Besuch bei jedem Weingut macht den Unterschied.

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Andreas Lehr