Pentacode: Wie Lorenz Strasser eine HR-Software mit 60.000 verwalteten Mitarbeitern bootstrapped hat – ohne einen einzigen Investor (#158)
Lorenz Strasser hat mit Pentacode eine HR Workforce Management Software für den Mittelstand aufgebaut – komplett bootstrapped, ohne Business Angel, ohne Investor.
Heute beschäftigt das Unternehmen 22 Mitarbeiter und verwaltet über 60.000 aktive Mitarbeiter bei angeschlossenen Unternehmen. Über 15 Millionen Schichten wurden bereits geplant. Das Unternehmen ist cash-positiv. Eine Geschichte über brutale Kaltakquise-Realität, den Weg vom Gastronom zum Software-Unternehmer und eine klare Philosophie: "Wer zahlt, bestimmt die Musik."
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Die Gründungsgeschichte
Lorenz' Weg zu Pentacode beginnt nicht am Schreibtisch, sondern in der Gastronomie. Nach einem Mathematik- und Informatikstudium hatte er bereits zwei Unternehmen gegründet, darunter eine Gastronomiekette mit 13 Standorten und über 500 Mitarbeitern. Genau dort lag das Problem: Es gab keine passende HR-Software für KMUs. Die großen Lösungen wie Atos waren für den Mittelstand schlicht ungeeignet.
2012 startete Lorenz mit der ersten Version, 2017 verfestigte sich die Idee und wurde später zu Pentacode. Von Anfang an war klar: kein externes Kapital.
"Wer zahlt, bestimmt die Musik – deshalb wollte ich nie externes Kapital aufnehmen."
Diese Haltung hat Lorenz bis heute durchgehalten. Die einzigen Verpflichtungen: Löhne, Gehälter und das Finanzamt. Keine Investoren, die reinreden. Keine Business Angels mit eigenen Interessen.
Das Produkt und Geschäftsmodell
Pentacode ist eine HR Workforce Management Software speziell für den Mittelstand – Zeiterfassung, Schichtplanung, Personalverwaltung. Die Zielgruppe: Unternehmen, die zu groß für Excel sind, aber zu klein für Enterprise-Lösungen. Abgerechnet wird nach verwalteten Mitarbeitern.

Ein Drittel der 22 Mitarbeiter sitzt in der Technik. Die Software verwaltet aktuell knapp 60.000 aktive Mitarbeiter und hat über 15 Millionen Schichten geplant. Lorenz hat sich bewusst für eine AG statt einer GmbH entschieden – das gibt Flexibilität für die Zukunft.
Der Umsatz? Den behält Lorenz für sich. Aber eine Zahl teilt er: Das Unternehmen arbeitet kostendeckend und ist cash-positiv. Für ein bootstrapped SaaS-Unternehmen ist das der wichtigste Meilenstein.
Marketing und Wachstum
Die Anfangszeit war brutal. Lorenz teilt seine Kaltakquise-Bilanz mit schonungsloser Ehrlichkeit:
"Kaltakquise am Anfang: 1000 Anrufe, 50 Termine, 5 Kunden. Das war die Realität."
1000 Anrufe für 5 Kunden. Das ist eine Conversion Rate von 0,5 Prozent. Wer bei solchen Zahlen nicht aufgibt, hat entweder einen langen Atem oder ist verrückt. Lorenz hatte beides – plus das Wissen, dass sein Produkt ein echtes Problem löst. Große HR-Lösungen sind für den Mittelstand zu komplex und zu teuer. Diese Lücke hat Pentacode gefüllt.

Heute sieht die Situation anders aus. "Ich bin froh, dass ich keine Kaltakquise mehr machen muss. Es tun sich neue Dinge auf, die viel Spaß machen", sagt Lorenz. Das Unternehmen wächst organisch, Empfehlungen spielen eine große Rolle. Der Ansatz: Beratung statt Verkauf. Wer versteht, was der Kunde wirklich braucht, muss nicht mehr kalt anrufen.
Die Expansion nach Österreich erwies sich als besonders herausfordernd – 700 verschiedene Kollektivverträge machten die Anpassung der Software komplex. Solche regulatorischen Hürden unterschätzt man als deutsches Unternehmen schnell.
Herausforderungen und Erfolgsfaktoren
Lorenz nennt drei Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Unternehmertum – abseits jeder Geschäftsidee:
"Man braucht Zuversicht über einen langen Zeitraum, Resilienz und Frusttoleranz. Wer schnell frustriert ist, sollte sich fragen, ob er sich das antun will."
Zuversicht, Resilienz, Frusttoleranz. Diese drei Eigenschaften bringt der Unternehmer mit – oder er sollte es lassen. Das klingt hart, aber Lorenz spricht aus Erfahrung. Die organisatorische Übersicht bei Wachstum sei entscheidend: sich selbst ständig in Frage stellen, ob die aktuellen Prozesse noch funktionieren.
Privat hält er die Balance mit Sport jeden Tag, Cello spielen und 25 Jahren Ehe. Denn Unternehmertum ist ein Marathon, kein Sprint.
Was ich im Interview gelernt habe
Kaltakquise ist ein Zahlenspiel: 1000 Anrufe, 50 Termine, 5 Kunden. Wer diese Realität kennt, gibt nicht nach 100 Anrufen auf. Erfolg kommt durch Durchhalten, nicht durch Talent.
Unabhängigkeit hat einen Preis – und einen Wert: Ohne Investoren wächst man langsamer. Aber man behält die Kontrolle. "Wer zahlt, bestimmt die Musik" ist mehr als ein Spruch.
Branchenwissen ist ein unfairer Vorteil: Lorenz kannte die Probleme aus 13 Gastro-Standorten mit 500+ Mitarbeitern. Er musste niemanden fragen, was der Markt braucht – er wusste es.
Learnings für Gründer
- Die drei Erfolgsfaktoren: Zuversicht über einen langen Zeitraum, Resilienz und Frusttoleranz. Wer schnell frustriert ist, sollte sich fragen, ob Unternehmertum das Richtige ist.
- Kaltakquise funktioniert – aber die Zahlen sind brutal: 0,5% Conversion ist normal am Anfang. Wer das weiß, plant entsprechend und gibt nicht zu früh auf.
- Bootstrapping schützt die Vision: Ohne externe Geldgeber gibt es niemanden, der die Richtung vorgibt. Das Unternehmen wächst so schnell, wie es der Cashflow erlaubt.
- Vom Problem zum Produkt: Die beste Software entsteht, wenn der Gründer das Problem selbst erlebt hat. Lorenz' Gastro-Hintergrund war sein unfairer Vorteil.
- AG statt GmbH kann sinnvoll sein: Mehr Flexibilität für die Zukunft, auch wenn man aktuell keine Investoren sucht.
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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.
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