CarRanger: Wie Alex Schäfer mit 229.000 Abonnenten YouTube zum Vollzeitjob machte – ohne je zu einem Presseevent eingeladen zu werden (#159)

CarRanger: Wie Alex Schäfer mit 229.000 Abonnenten YouTube zum Vollzeitjob machte – ohne je zu einem Presseevent eingeladen zu werden (#159)

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Alex Schäfer ist 35, kommt aus Thüringen und hat 16 Jahre in einem großen Konzern gearbeitet. Seit Herbst 2025 lebt er Vollzeit von seinem YouTube-Kanal CarRanger – 229.000 Abonnenten, alles rund ums Auto, vom 2.000-Euro-Gebrauchten bis zum 200.000-Euro-Neuwagen.

Das Besondere: Er wurde noch nie zu einem Presseevent von BMW, Mercedes, Porsche oder Opel eingeladen. Eine bewusste Konsequenz seiner Philosophie. Eine Geschichte über Authentizität, den langen Atem und warum die billigsten Videos manchmal die erfolgreichsten sind.

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Die Gründungsgeschichte

Der Weg zu CarRanger beginnt nicht mit Videos, sondern mit einem Gebrauchtwagen-Problem. Alex und sein Mitgründer Claudio kannten sich aus dem Studium und hatten über Jahre Autos gekauft, gefahren und verkauft – mit der Erkenntnis, dass der Gebrauchtwagenmarkt unfair ist. 2017 gründeten sie eine Firma mit einer Dienstleistung dazwischen. Die Videos sollten ursprünglich nur diese Dienstleistung pushen.

Dann kam ein Problem: Ein Konkurrent mit Allianz-Backing und Fernsehwerbung. "Die haben einen zweistelligen Millionenbetrag versenkt. So what? Venture Capital", erinnert sich Alex. Die Dienstleistung wurde eingestellt – aber Alex war bei den Videos schon so verhaftet, dass er einfach weitermachte. Nicht wegen der Klicks, nicht wegen des Geldes. Sondern weil es Spaß machte.

"Ich habe neun Monate gebraucht für die ersten 100 Abos. Von diesen 100 waren bestimmt 50 Kaltakquise im Freundeskreis. Dieses: Gib mir mal kurz dein Handy – und zack, abonniert."

Der Durchbruch kam langsam. 2019 konnte er erstmals Equipment von den Einnahmen kaufen. 2020 hatte er einen Vollzeit-Kameramann. Nach dessen Weggang merkte er: Die Einnahmen bleiben, die Ausgaben sinken. Da wurde es ein Business Case.

Das Produkt und Geschäftsmodell

CarRanger testet alles mit vier Rädern – alte Autos, neue Autos, Gebrauchte, Neuwagen. Das Motto: "Alles, was dich bewegt." Alex produziert zwei bis drei Longform-Videos pro Woche plus täglich einen Short. Zu 99 Prozent alleine, alles One-Take – mit Versprechern, Verhaspeln und Motorhauben, die nicht richtig aufgehen.

CarRanger bei YouTube

Das Geschäftsmodell: knapp 50:50 zwischen YouTube-Werbeeinnahmen und ausgewählten Werbepartnern. Aber hier liegt die Besonderheit: Alex nimmt kein Geld von Autoherstellern für Videos.

"Ich werde nicht das reiche Arschloch sein, was alle Leute abgezogen hat, sondern dann habe ich lieber mal 2.000 Euro weniger und bin ein halbwegs zufriedener Mensch, der sich noch in den Spiegel anschauen kann."

Die Konsequenz: Von BMW, Mercedes, Porsche, Opel, Peugeot, Cupra – noch nie zu einem Presseevent eingeladen. Bei 229.000 Abonnenten. Er organisiert sich die Autos eben anders.

Marketing und Wachstum

Wachstum bei YouTube ist kein linearer Prozess. Alex beschreibt es als Wellen – manchmal passiert monatelang nichts, dann kommt ein Push. Ein Video über eine Dacia-Weltpremiere, in 20 Minuten zwischen Tür und Angel gefilmt, brachte 650.000 Klicks. Eines seiner erfolgreichsten überhaupt. Videos mit viel Liebe und Aufwand? Manchmal nur 10.000 Klicks. "Man hat nicht mal den Sprit verdient, da hinzufahren."

Die größte Erkenntnis: Manche Dinge muss man akzeptieren, statt sie verstehen zu wollen. Sonst wird man verrückt. Was funktioniert, ist Kontinuität – jeden Tag ein Short, mindestens zwei lange Videos pro Woche, seit acht Jahren ohne Pause.

Der alte Content arbeitet weiter: Ein Video über eine russische Buchanka von vor 4 Jahren brachte 2025 noch 63.000 Klicks und 482 Euro. Alex baut einen Automobil-Katalog auf – irgendwann eine selbstlaufende Rente.

Herausforderungen und Philosophie

Nach 16 Jahren im Konzern war der Wechsel im Herbst 2025 keine spontane Entscheidung. Alex reduzierte erst von 40 auf 30 Stunden, fuhr das zwei Jahre parallel. Dann der komplette Ausstieg – mit acht Jahren YouTube-Erfahrung und dem Wissen, worauf er sich verlassen kann.

Die größte Herausforderung: Zeit. Mit zwei Jobs, Familie und dem Anspruch, allen gerecht zu werden, kam er auf 80 Stunden pro Woche. Das war ungesund. Heute macht er nur noch CarRanger – und es fühlt sich nicht nach Arbeit an.

"Leute geben mir Geld, dass ich das machen darf, was ich gerne machen würde. Ich habe halt im Moment das Glück, dass mir Leute Geld für mein Hobby geben."

Bewusst verzichtet Alex auf Skalierung. Kein Head of Content, keine große Produktion. Die One-Man-Show hat einen Grund: Zufriedenheit statt Maximum.


Was ich im Interview gelernt habe

Die ersten 100 sind die härtesten: Neun Monate für 100 Abonnenten, davon die Hälfte Freunde. Wer das durchhält, hat den richtigen Antrieb – Spaß an der Sache, nicht Klicks.

Authentizität hat einen Preis – und einen Wert: Keine Herstellerbezahlung bedeutet keine Presseevents. Aber auch keine Verpflichtung, Autos schönzureden. Die Zuschauer bezahlen mit ihrer Zeit – ihnen ist Alex verpflichtet.

Alter Content ist eine Rente: Videos von vor Jahren bringen weiter Einnahmen. Ein Katalog aus tausenden Videos wird zur selbstlaufenden Einnahmequelle.

Learnings für Gründer

  • Entscheide früh, von wem du bezahlt werden willst: Zuschauer oder Auftraggeber. Beides gleichzeitig funktioniert selten authentisch.
  • Kontinuität schlägt Perfektion: Acht Jahre ohne Pause, jeden Tag Content. Das baut Reichweite – nicht das perfekte einzelne Video.
  • Die billigsten Videos können die erfolgreichsten sein: 20-Minuten-Slot, Handy-Video, 650.000 Klicks. Aufwand korreliert nicht mit Erfolg.
  • Skalierung ist optional: Bewusst als One-Man-Show bleiben kann die richtige Entscheidung sein. Zufriedenheit ist auch eine Metrik.
  • Akzeptiere, was du nicht verstehst: Manche Dinge bei YouTube funktionieren ohne erkennbares Muster. Wer alles hinterfragt, wird verrückt.

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Andreas Lehr