Sonuby Weather: Wie Julian Meier als Indie-Entwickler eine Wetter-App mit 1.400 Dollar MRR aufbaut (#155)
Julian Meier aus Berlin entwickelt seit über der Hälfte seines Lebens Software. Mit 16 baute er seine erste Website, als dualer Student entwickelte er eine der größten Wetter-Apps Europas für Meteoblue.
Seit 2019 arbeitet er an seiner eigenen App: Sonuby Wetter. Aktuell bringt die App rund 1.400 Dollar monatlich ein – neben seiner Freelancer-Tätigkeit. Eine Geschichte über einen der härtesten App-Märkte, die Macht von Blog-Features und warum generische Wetter-Apps vielleicht keine Chance mehr haben.
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Die Gründungsgeschichte
Julians Weg in die Softwareentwicklung begann mit 16 auf einer Klassenfahrt. Ein älterer Mitschüler baute an einem Online-Shop, und Julian war fasziniert von HTML und JavaScript. "Irgendwie hat es mich da gepackt", erinnert er sich. Nach dem Wochenende bestellte er zwei Bücher über HTML und PHP und baute den ganzen Sommer die Website seines Vaters.
Der entscheidende Schritt kam 2014 als dualer Student bei Meteoblue in der Schweiz. Apple hatte gerade Swift vorgestellt, und Julian schlug vor, eine iOS-Wetter-App zu entwickeln – die Firma hatte noch keine. "Daraus ist aus dieser Leidenschaft zu entwickeln die Leidenschaft für Wetter-Apps entstanden", beschreibt er den Wendepunkt. Die Meteoblue App wurde eine der größten Wetter-Apps in Europa.

2019 kündigte Julian und startete Sonuby. Der Name kombiniert die lateinischen Worte für Sonne (solis) und Wolken (nubes). Im Frühjahr 2024 entschied er sich, ein Jahr Vollzeit an der App zu arbeiten:
"Komplett bootstrapped, kein externes Funding, einfach mit eigenen Ressourcen neun Monate in mein Zimmer eingeschlossen."
Das Produkt und Geschäftsmodell
Sonuby ist eine anpassbare Wetter-App für Menschen, die mehr brauchen als Temperatur und Niederschlag. Segler benötigen Windvorhersagen über komplette Flächen, Fallschirmspringer verschiedene Wolkenhöhen, Fotografen die exakte Golden Hour mit Wolkenbedeckung. "Mein Anspruch ist, eine App zu schaffen, die sich an den User anpasst", erklärt Julian.

Das Freemium-Modell bietet die kostenlosen Wetterdaten bereits umfangreich an. Bezahlt wird für Konfigurationsmöglichkeiten: eigene Dashboards, personalisierte Widgets, Aktivitätsprofile. Das Monatsabo kostet 1,99 Euro, das Jahresabo 17,99 Euro, der Lifetime-Kauf etwa 99 Euro. Aktuell hat Sonuby rund 1.000 Subscriber und 3.500 aktive Nutzer. Die Hauptzielgruppen: Fotografen, Drohnenpiloten und Hobby-User, die ihre Ansichten selbst konfigurieren wollen.

Die Wetterdaten bezieht Julian weiterhin von Meteoblue – über ein Revenue-Share-Modell. "Die App stellt am Tag über 200.000 Requests an den Server. Das wäre so teuer, dass sich das finanziell nicht lohnen würde", erklärt er die Vereinbarung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber.
Marketing und Wachstum
Der Wetter-App-Markt ist brutal. "Es gibt wenige Bereiche, die so durchdrungen sind mit bereits existierenden Angeboten", sagt Julian. Keywords wie "Wetter App" kosten 7-8 Euro pro Klick in den App Store Ads. Generische Wetter-Apps gegen Weather Channel oder wetter.com zu positionieren ist praktisch unmöglich.
Was funktioniert: Blog-Features und Nischenfokus. Julian wurde von appgefahren.de, iPhone Ticker und sogar 9to5Mac gefeatured. "Ich habe Dienstag die E-Mail abgeschickt und dann am Samstag direkt das Feature bekommen", erzählt er über den 9to5Mac-Erfolg. Die Blogs verdienen über Affiliate-Links, wenn Nutzer über ihren Beitrag In-App-Käufe tätigen.
Black Friday brachte einen deutlichen Umsatzschub: Julian hatte eine Logik eingebaut, die aus der Ferne Angebote in der App schalten kann. Der Lifetime-Purchase für 50 Prozent weniger plus Listung auf Black-Friday-Deal-Seiten brachte allein 1.500-1.600 Dollar in einer Woche.
Herausforderungen und Learnings
Die größte Herausforderung ist Zeit. Fünf Monate für die iOS-Widgets, drei Monate für Android. "Ich hatte letztes Jahr teilweise ein Arbeitspensum von 60-80 Stunden die Woche", gibt Julian zu. Die Android-Widgets konnte er komplett mit Claude Code bauen – ohne Kotlin-Erfahrung. "Sonst hätte ich wahrscheinlich bestimmt ein Jahr gebraucht."
Für zukünftige Apps hat Julian seine Strategie geändert:
"Ich würde keine neue App mehr bauen, ohne eine App Store Optimization Strategie zu haben. Wenn Leute nicht nach der App suchen, würde ich sie nicht bauen."
Er plant sechs weitere Apps – alle mit ASO-first-Ansatz, alle in Teilbereichen von Sonuby.
Was ich im Interview gelernt habe
Im Wetter-Markt gewinnt nur, wer Nischen bedient: Generische Wetter-Apps haben gegen die Großen keine Chance. Julian erreicht seine Nutzer über spezialisierte Features für Fotografen, Drohnenpiloten und Segler.
Blog-Marketing funktioniert für Apps überraschend gut: Ohne Werbebudget haben Features bei iPhone Ticker, appgefahren und 9to5Mac den Großteil der Nutzer gebracht. Die Blogs verdienen über Affiliate-Links mit.
ASO-first als neue Strategie: Vor dem Bauen einer App prüfen, ob es überhaupt Suchnachfrage gibt. Julian testet Keywords mit App Store Search Ads, bevor er entwickelt.
Learnings für Gründer
- Remote-Paywall-Steuerung einbauen: Julian kann Angebote aus der Ferne in der App schalten – für Black Friday oder Ostern. Das hat signifikanten Umsatz gebracht.
- Revenue-Share statt Pay-per-Request: Bei 200.000 API-Anfragen täglich wäre ein klassisches Datenmodell unbezahlbar. Das Revenue-Share-Modell mit Meteoblue skaliert mit.
- Widgets sind ein unterschätztes Feature: Die konfigurierbaren Widgets waren das meistgefragte Feature und haben das Wachstum deutlich beschleunigt.
- KI-Tools ermöglichen Plattform-Sprünge: Die kompletten Android-Widgets wurden mit Claude Code gebaut – ohne Kotlin-Vorkenntnisse. Das hat Monate Entwicklungszeit gespart.
- Beide Plattformen bedienen: iOS-User zahlen eher, aber die Android-Masse gleicht das aus. Und es verteilt das Risiko, falls ein Store-Account gesperrt wird.
- Schreib mir gerne per E-Mail oder über LinkedIn.
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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.
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