Kurviger: Wie ein Studienprojekt zur führenden Motorrad-Navi-App wurde

Kurviger: Wie ein Studienprojekt zur führenden Motorrad-Navi-App wurde

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Robin Boldt entwickelte während seines Studiums an der Universität Stuttgart aus einem Routenplaner-Projekt die Motorrad-Navigations-App Kurviger. Heute nutzen über 250.000 registrierte Motorradfahrer die App, die sich auf kurvige Streckenführung spezialisiert hat. Das 5-köpfige Team erwirtschaftet mit einem Freemium-Modell nachhaltiges Wachstum.

Von der Uni zum Produkt

"Ich habe mir das Ganze damals im Studium ausgedacht. Bin selber Motorradfahrer und habe immer schöne kurvige Strecken gesucht und habe da stundenlang irgendwie Wegpunkte auf der Karte hin und her geschoben", erinnert sich Robin. Was als Halbjahresprojekt begann, entwickelte sich schnell weiter. Der erste Prototyp basierte auf OpenStreetMap und wurde von einer kleinen Gruppe Motorradfahrer getestet. Nach etwa zwei Jahren kam die erste iOS-App hinzu, zunächst als Einmalkauf.

Der entscheidende Schritt war die Umstellung auf ein Abo-Modell. Mit 29,99€ pro Jahr für die Plus-Version und 14,99€ für die Basis-Version positioniert sich Kurviger preislich bewusst im Bereich einer Tankfüllung. Die Conversion zu Jahresabos liegt sehr hoch - monatliche Abos werden kaum genutzt.

Technologie und Marketing

Technologisch setzt Kurviger auf einen hybriden Ansatz: Die Apps basieren auf Capacitor (ehemals Cordova) mit einer nativen Navigationskomponente für optimale Offline-Funktionalität. Das Routing-Backend verwendet GraphHopper, eine Open-Source-Lösung in Java. Besonders stolz ist Robin auf die selbst entwickelten Algorithmen zur Bewertung kurviger Strecken.

"Beim Motorradfahren ist die Fahrt selber das Ziel. Was keinen Spaß macht ist Autobahn - die ist eher nervig und monoton."

Das Marketing läuft größtenteils organisch über Mundpropaganda und redaktionelle Berichterstattung in Motorradmagazinen. Die Nutzerbasis konzentriert sich mit über 50% auf den deutschsprachigen Raum, expandiert aber international. Eine aktive Community im eigenen Forum unterstützt beim Support und liefert wertvolles Produktfeedback.

Bootstrapping Herausforderungen

Der Weg zum nachhaltigen Geschäftsmodell war nicht einfach. Robin finanzierte die Entwicklung zunächst durch parallele Beratungstätigkeit. Eine besondere Herausforderung war der plötzliche Ausstieg seines App-Entwicklungspartners, der einen kompletten Neuaufbau der App in nur zwei Monaten erforderte.

"Wir sind halt mittlerweile an einem Punkt, wo wir keinen Cash Burn mehr haben, sondern wir sind cash-positiv seit ein paar Jahren."

Die wichtigsten Learnings aus Robins Bootstrapping-Journey:

  • Ein funktionierendes Geschäftsmodell ist wichtiger als schnelles Wachstum - die Umstellung auf Abos war entscheidend
  • Strategische Partnerschaften können auch ohne Investoren wertvoll sein (z.B. Motorradhotels, Helm-Display-Hersteller)
  • Community-Building zahlt sich langfristig aus - sowohl beim Support als auch bei der Produktentwicklung
  • Remote-Work und flexible Arbeitszeiten helfen beim Aufbau eines motivierten Teams
  • Die Unabhängigkeit durch Bootstrapping ermöglicht es, das Produkt nach eigenen Vorstellungen weiterzuentwickeln

Mit diesem nachhaltigen Ansatz ist Kurviger heute profitabel und wächst organisch weiter - ganz ohne externes Kapital.

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Andreas Lehr