kcalculator.de: Wie Jannis Kuhrt B2B SaaS neben Vollzeitjob und Familie aufbaut (#153)
Jannis Kuhrt ist 36 Jahre alt, Teamleiter Innovation im Corporate, Vater von zwei Töchtern – und baut nebenbei kcalculator.de auf. Eine B2B-SaaS-Lösung für Ernährungsfachkräfte.
Doch bevor es dazu kam, baute Jannis sieben Jahre lang Kinderbetten und verkaufte Low-Carb-Müsli. Zwei Businesses, die funktonierten – aber an den Margen scheiterten. Eine Geschichte über drei Gründungen, die Erkenntnis "Input- zu Output-Verhältnis ist zu gering" und warum digitale Produkte gewinnen.
Die komplette Story jetzt in Podcast Folge 153 anhören: Folge bei Spotify, Apple oder allen anderen Playern anhören. Bitte bewerte zudem den Podcast bei Spotify oder Apple - das würde mir sehr helfen, vielen Dank!
Gründung #1: Kinderbetten – Von Instagram zu Nina Bott
Jannis startete nach dem Studium mit Kinderbetten. "Ich wollte ein Kinderbett für meine Tochter kaufen – ein Spielbett mit Dach. Ich hab gedacht: Das kann ich auch selber bauen." Ein halbes Jahr später stand das Bett. Er postete es auf Instagram. Zehn Leute fragten, wo sie es kaufen können.
"Ich hab den Stundensatz von meinem Corporate-Job genommen, überlegt wie lange ich bräuchte, und einen Preis angeboten. Fünf haben es gekauft."
Ein geiles Gefühl: Menschen investieren ihre wichtigsten Ressourcen – Zeit und Geld – in dein Produkt.
Das Geschäft lief. Ein Eltern-Magazin brachte eine Dauerseite. Dann schrieb das Management von Nina Bott (TV-Moderatorin): "Nina hätte gerne euer Bett und würde Werbung machen." Der Umsatz stieg.
Doch nach sieben Jahren: "Dreckig, schwer, Rohstoffpreise gestiegen, Versandgrenzen erhöht." Am Ende verdiente jeder mehr als Jannis – Versanddienstleister, Steuer, Lieferanten. "Das nervt mich wirklich." Er baute noch Holz ab: "Ich habe immer noch Holz für Kinderbetten in der Garage, die ich ab und zu klein mache für den Kamin."
Gründung #2: Lüsli – Low-Carb-Müsli mit Margenproblem
Nach den Kinderbetten beschäftigte sich Jannis mit Ernährung und Sport. Er baute ein Low-Carb-Müsli auf – inspiriert von Lizza. "Ich hab gemerkt, es gibt nichts auf dem Markt, was mir gefällt." Freunde und Familie fanden es lecker. Also baute er ein Business.
450 Gramm für fast 15 Euro – ein High-Price-Produkt. "Trotzdem waren die Margen sehr gering." Der Lebensmittelhandel war nicht digitalisiert. "Du musst Märkte anrufen, fünf Minuten warten, dann sagt der Chef: Wir haben noch fünf Pakete, schick nochmal fünf. Das skaliert nicht."
Freunde mit einem Lebensmittel-Startup in 300 Edeka-Märkten machten dicht. "Zu viele Vorschriften, Mindesthaltbarkeitsdaten, Input- zu Output-Verhältnis sehr gering." Jannis machte in der Zeit eine Ausbildung zum Ernährungsberater – und fand sein nächstes Problem.
Gründung #3: kcalculator.de – B2B SaaS für Ernährungsfachkräfte
"Ich hab gemerkt, Ernährungsfachkräfte haben ein Problem: Sie verbringen zu viel Zeit mit Administration statt mit ihren Klienten." Jannis baute kcalculator.de – eine B2B-SaaS-Lösung, die Ernährungsfachkräfte bei Ernährungsplänen, Beratung und Administration unterstützt.

Der Tech-Stack: Vue.js Frontend, Capacitor für Mobile, Bun + Elijah.js für APIs, Firebase Backend, TypeSense Search, gehostet auf Hetzner VPS in Deutschland. Alles als Side Project neben Vollzeitjob und Familie.
Das Besondere: Jannis lernte aus seinen früheren Failures. Hardware und Lebensmittel? Margen werden aufgefressen. Digital? Skalierbar. "Software as a Service" – oder besser: "Service as a Software", wie er sagt. Der Fokus liegt auf Output-Orientierung, nicht nur Software.
Die KI-Frage: Konkurrenz oder Chance?
Wird KI Ernährungsberater ersetzen? Jannis sieht es pragmatisch: "Das Hauptthema bei Ernährung ist nicht das Wissen, sondern der Coaching-Aspekt. Die wenigsten schaffen es nicht abzunehmen, weil sie nicht wissen, dass sie weniger essen müssten."
Google AI-Antworten führen zu 30-40% Suchvolumen-Einbruch auf Hauptkeywords. "Klar, viele werden KI nutzen. Aber Ernährungsfachkräfte wird es weiterhin geben, weil du diesen therapeutischen Aspekt brauchst."
Seine Strategie: KI adaptieren, wo es Sinn macht. "Viele bringen Tools raus, nur weil es geht. Dann wundern sie sich, warum sie es nicht monetarisiert kriegen. Wir ballern nicht einfach KI rein, weil es möglich ist."
Nebenberuflich gründen: Wie geht das mit zwei Kindern?
Jannis arbeitet Vollzeit, hat zwei Töchter und baut kcalculator.de. Wie?
"Sport – Rennrad im Sommer, Laufen. Und Zeit mit den Kindern zwingt einen zum Abschalten."
"Wenn ein Kind sagt: Ich will jetzt dieses Bild bauen – das ist in dem Moment das Wichtigste für die. In deren Welt. Wenn man sich darauf einlassen kann, holt einen das massiv runter."

Jannis hat sogar ein Buch geschrieben über nebenberufliches Gründen (auch auf Kindle Unlimited verfügbar). Seine Vision für 2026: Version 3 von kcalculator.de mit besserer KI-Integration. "Wenn du coole Leute in einen Raum kippst, die an einem Thema arbeiten, für das sie brennen, dann kommt immer was Geiles raus."
Was ich im Interview gelernt habe:
Hardware/Lebensmittel fressen Margen: Versand, Steuern, Rohstoffe – am Ende verdient jeder mehr als du. Digital skaliert besser.
Input-Output-Verhältnis ist entscheidend: Wenn der Aufwand den Output übersteigt, ist es Zeit weiterzuziehen.
Service as a Software > Software as a Service: Der Output für den Kunden zählt, nicht nur das Tool.
Learnings für Gründer:
Lerne aus Failures: Jannis machte zwei Businesses dicht – und baute daraus ein besseres drittes.
Digitale Produkte skalieren: Keine Rohstoffe, kein Versand, keine Mindesthaltbarkeitsdaten.
Side Projects funktionieren: Neben Vollzeitjob und Familie. Sport und Kinder-Zeit helfen beim Abschalten.
KI adaptieren, nicht blind integrieren: Nur weil es geht, heißt nicht, dass es Sinn macht.
Gründe nebenberuflich: Jannis hat ein Buch darüber geschrieben. Kein Risiko, aber langsames Wachstum.
Abonnieren
Ähnliche Beiträge
Newsletter zum Podcast
Nach der Anmeldung erhälst du jeden Montag die Zusammenfassung der aktuellen Folge in deine Inbox.