doloc.io und Cloud Backup for Podio: Wie Daniel Schreiber nebenberuflich zwei SaaS-Produkte betreibt (#162)

doloc.io und Cloud Backup for Podio: Wie Daniel Schreiber nebenberuflich zwei SaaS-Produkte betreibt (#162)

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Daniel Schreiber ist Softwareentwickler aus Offenbach, arbeitet in Teilzeit (80 Prozent) und betreibt nebenbei zwei SaaS-Produkte. Sein Cloud Backup for Podio läuft seit über zehn Jahren bei rund 2.500 Euro MRR.

Sein neueres Projekt doloc.io ist ein KI-basiertes Übersetzungstool für App-Entwickler, das gerade erste Traction bekommt. Dazwischen liegen ein verkauftes Startup, ein komplett gescheitertes Produkt und die Erkenntnis, dass Distribution die größte Herausforderung bleibt.

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Vom Energiemarkt zum Backup-Tool

Daniels erster Kontakt mit Unternehmertum war Wechselfuchs – ein Startup für automatisierte Energieanbieterwechsel, das er vor rund 14 Jahren zusammen mit seinem Bruder Dominik startete. Die Idee: per Vollmacht alle zwölf Monate den Stromanbieter wechseln und Neukundenrabatte mitnehmen. Nach einigen Jahren verkauften sie den Kundenstamm an Wechselpilot – kein Life-Changing-Exit, aber ein kleiner Erlös.

Das eigentliche Nebenprodukt von Wechselfuchs war wertvoller: Alle Kundendaten lagen in Podio, einer SaaS-Plattform für KMUs. Daniel fragte sich, was passiert, wenn Podio ausfällt – und schrieb ein Backup-Skript. Daraus wurde Cloud Backup for Podio, ein eigenständiges Produkt mit Stripe-Anbindung und einem klaren Nutzenversprechen: Daten sichern, einsehen, exportieren und im Notfall wiederherstellen.

„Das Backup ist eher so eine Peace-of-Mind-Sache. Dass man weiß, die Daten sind noch mal irgendwo. Selbst wenn der Praktikant alles löscht."

Fast alle Kunden kamen über den Plugin-Marktplatz von Podio – ohne aktives Marketing.

Der Tech-Stack ist pragmatisch: PHP im Backend, MongoDB, Google Cloud, REST-API fürs Frontend. Daniel hat bewusst nie einen großen Umbau gemacht, weil die Stabilität nach zehn Jahren unbezahlbar ist.

Vali Pod: Der Fail ohne einen einzigen Kunden

Parallel versuchte Daniel mit Vali Pod ein zweites Podio-basiertes Produkt – ein Validierungstool für feldübergreifende Regeln. Trotz Vorab-Interviews mit Experten kam kein einziger zahlender Kunde zustande. Die Nische war zu klein, der Suchbegriff zu unbekannt, die Distribution nicht vorhanden. Daniel ließ das Tool jahrelang kostenlos online, bevor er es schließlich einstellte.

„Mein Learning: Die Nische kann auch zu klein sein. Und das Distribution-Game läuft nicht immer von alleine."

doloc.io: KI-Übersetzung für den Build-Prozess

Aus dem Frust über verzögerte Releases wegen fehlender Übersetzungen entstand doloc.io. Die Idee: App-Entwickler schicken ihre Sprachdateien (JSON, XLIFF) per API an doloc und bekommen sie in Sekunden übersetzt zurück – kontextbasiert, weil bereits übersetzte Texte als implizites Glossar dienen. Anders als klassische Translation-Management-Plattformen hat doloc keinen separaten State, keine komplexe UI und keinen asynchronen Übersetzungsprozess. Die Übersetzung passiert direkt im Build.

Der Tech-Stack ist modern: TypeScript mit Bun-Runtime auf Google Cloud Run, Supabase als Datenbank, Astro auf Cloudflare fürs Frontend. Die Übersetzungen laufen über GPT-4.1 wegen des großen Kontextfensters. Die Betriebskosten sind minimal.

Das Pricing startet kostenlos bis 100 Texte, 12 Euro für bis zu 2.000 Texte und 45 Euro für bis zu 10.000. Eine Handvoll zahlende Kunden sind an Bord, der Beta-Kunde ist Daniels eigener Arbeitgeber – kostenlos, weil die Idee dort entstand.

„Ich mache lieber Produkt und Technik, das kann ich gut. Distribution ist die offene Baustelle."

Die größte Herausforderung bleibt die Vermarktung. Google Ads funktionierte nicht, weil die relevanten Suchbegriffe von etablierten Translation-Plattformen besetzt sind. Reddit bringt etwas Traffic, ein IntelliJ-Plugin für Entwickler generiert Aufmerksamkeit, und ein Open-Source-Angular-Addon verlinkt auf doloc. Auch Product-Hunt-Launches hat Daniel mit seinem Bruder Raphael probiert – ohne nachhaltigen Effekt. S

eine Beobachtung: Die Builder-Szene schwimmt dort eher im eigenen Saft. Daniel setzt jetzt auf ein Affiliate-Programm, um Content-Creator und Newsletter-Betreiber mit bestehender Audience in der Entwickler-Community zu erreichen. Wer Interesse hat, kann sich direkt bei ihm melden.

Was ich im Interview gelernt habe

Ein Produkt, das seit 10 Jahren stabil läuft und 2.500 Euro MRR bringt, muss man nicht größer machen. Manchmal ist ein zuverlässiger Nebenverdienst wertvoller als ein riskanter Wachstumskurs.

Distribution schlägt Produkt. Das Cloud Backup hatte den Podio-Marktplatz, Vali Pod hatte nichts – bei vergleichbarer Produktqualität. Das macht den gesamten Unterschied.

Man muss den Druck nicht haben. Daniels „Alles kann, nichts muss"-Philosophie klingt nach Ausrede, ist aber ein bewusst gewählter Luxus des Indie-Hackings ohne externes Kapital.

Learnings für Gründer

  • Eigene Probleme sind der beste Ausgangspunkt: Sowohl das Cloud Backup als auch doloc.io entstanden aus echtem eigenen Bedarf – das validiert die Grundidee automatisch.
  • Der Marktplatz ist dein Freund: Fast alle Kunden des Cloud Backups kamen über den Podio-Marktplatz. Plattform-Ökosysteme sind für Nischenprodukte oft der effektivste Distributionskanal.
  • Stabilität über Modernisierung: Daniel hat den PHP-Stack des Cloud Backups nie grundlegend umgebaut. Die Stabilität nach zehn Jahren ist mehr wert als ein moderner Tech-Stack.
  • Scheitern kostet wenig, wenn die Kostenbasis stimmt: ValiPod lief auf Firebase und verursachte keine laufenden Kosten. Der einzige Verlust war Zeit und mentale Energie.
  • Affiliate-Programme brauchen Meta-Marketing: Ein Affiliate-Programm aufzusetzen reicht nicht – man muss die Creator aktiv finden und ansprechen, was wieder ein Distributionsproblem ist.

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Ich bootstrappe übrigens mein eigenes Unternehmen "We Manage", welches Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen hilft - buch dir gerne jetzt ein Termin.

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Andreas Lehr