alfima: Wie Alexander Bünk seine 42-Mitarbeiter-Agentur schloss und in 7 Monaten 63.000€ MRR aufbaute (#154)

alfima: Wie Alexander Bünk seine 42-Mitarbeiter-Agentur schloss und in 7 Monaten 63.000€ MRR aufbaute (#154)

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Alexander Bünk aus Hamburg hat mit seinen beiden besten Freunden Finn und Marco die größte deutschsprachige Agentur für Creator und Coaches aufgebaut – 42 Mitarbeiter, profitabel, etabliert. Dann haben sie alles geschlossen.

Seit Mai 2024 betreiben die drei alfima.io, eine All-in-One-Plattform für Creator und Coaches, die mittlerweile über 1.100 zahlende Kunden und einen MRR von 63.000 Euro erreicht hat. Eine Geschichte über radikale Entscheidungen, den Mut zum Neuanfang und die Erkenntnis, dass Kaltakquise im Creator-Markt nicht funktioniert.

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Die Gründungsgeschichte

Alexander hat nie studiert. Direkt nach dem Abitur gründete er 2017 mit seinen besten Freunden Finn und Marco die AFM Media – der Name aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen, genau wie später alfima. Die drei starteten mit einem 20-Quadratmeter-Büro in Hamburg, einer WG für 431 Euro und 1.300 Euro Bruttogehalt. "Wir waren arschgünstig, haben arschviel gearbeitet und wollten uns einfach verbessern", beschreibt Alexander die Anfangszeit. Die Strategie ging auf: Die Agentur wuchs zur größten im deutschsprachigen Raum für Creator und Coaches.

Doch trotz des Erfolgs wuchs die Unzufriedenheit. "Du baust halt nur andere auf", erklärt Alexander. Der entscheidende Moment kam 2024 mit einem Tony-Robbins-Zitat: "If you want to take the island, burn your boats." Die drei schlossen die Agentur komplett – Mitarbeiter vermittelt, Kunden gekündigt. Die erste Zeile Code für alfima wurde im November 2023 geschrieben.

Das Produkt und Geschäftsmodell

alfima vereint alles, was Creator für ihr digitales Geschäft brauchen: Link-in-Bio-Seite, Mitgliederbereich für Online-Kurse, Bezahlanbieter mit nur 4% Transaktionsgebühr, Landing-Page-Builder, Kalendertool und E-Mail-Marketing. "Wenn du startest, brauchst du unterschiedliche Software-Tools, die du verbinden musst, jedes einzelne bezahlen und bedienen. Das ist Bullshit", fasst Alexander das Problem zusammen.

Das Pricing: 49 Euro im Monat für den Basic-Plan, 69 Euro für Pro. Von den über 1.100 Kunden sind etwa 40% Vollzeit-Creator, 60% bauen nebenberuflich auf. Das Team besteht aus den drei Gründern, drei Entwicklern, zwei Support-Mitarbeitern und einem Videographen.

Marketing und Wachstum

Der Launch im Mai 2024 startete mit einer fünftägigen Challenge – jeden Abend ein Webinar, am Ende der Software-Pitch.

"In den ersten fünf Tagen haben wir 93 Jahreslizenzen verkauft"

berichtet Alexander. Die Software ging eine Stunde vor dem ersten Webinar online.

Was danach kam, war ein Lehrstück in Demut. Die Agentur-Kontakte brachten nur 30 User. Die Kaltakquise war ein kompletter Fehlschlag:

"Ich habe über 1.500 Cold Calls gemacht, wir haben über 2.500 Direct Mailings verschickt. Nicht ein Verkauf."

Bei Instagram wurde das Team dreimal gesperrt.

Was funktioniert hat: Webinare mit Partnern und das Affiliate-Programm. Alexander hat seit Mai 67 Webinare gehalten. Das Affiliate-Programm bietet 40% Lifetime-Provision und brachte etwa 450 der 1.100 Kunden. Dazu kommen kostenlose Onboarding-Gespräche – "Wir haben 2.844 Gespräche seit Mai geführt" – und wöchentliche Community-Calls mit den Gründern.

Herausforderungen und Bootstrapping-Realität

Der Weg ist alles andere als glamourös. "Wir haben dieses Jahr herbe Verluste gemacht, zahlen uns kein Gehalt aus und leben von dem, was wir vorher verdient haben", gibt Alexander offen zu. Die Arbeitszeit liegt bei 60-70 Stunden pro Woche, Webinare starten oft erst um 19 Uhr und gehen bis 22 Uhr.

Die größte Überraschung war, wie wenig die Agentur-Vergangenheit half. "Wir dachten, die Agenturzeit hätte uns richtig gut Vorsprung gegeben. Dem war nicht so. Das war wirklich fast eine große Katastrophe." Die bewusste Entscheidung, ehemalige Agentur-Kunden nicht aggressiv abzuwerben, kostete zusätzliche Reichweite – war aber eine Frage der Integrität.

Investorenanfragen lehnen die drei bisher ab, auch von großen deutschen Medienverlagen. "Wir wollen uns das Business so aufbauen, dass wir nicht investorenabhängig sind", erklärt Alexander. Der Plan: Profitabilität im nächsten Jahr erreichen, dann aus einer Position der Stärke verhandeln.


Was ich im Interview gelernt habe

Burn your boats funktioniert – wenn das Team stimmt: Alexander und seine Co-Founder haben eine profitable Agentur komplett geschlossen, um sich voll auf das neue Produkt zu konzentrieren. Dieser radikale Fokus ermöglichte den schnellen Aufbau.

Kaltakquise funktioniert nicht überall: Trotz 1.500 Cold Calls und 2.500 Direct Mailings gab es keinen einzigen Verkauf. Im Creator-Markt gewinnen Partnerschaften und Webinare deutlich gegen klassischen Outbound.

Gründen mit besten Freunden braucht bewusste Pflege: Die drei Gründer machen jede Woche Aktivitäten, die nur der Freundschaft dienen – getrennt vom Business. "Wenn ein Blatt zwischenpasst, ist es eine Frage der Zeit, bis das Ding zerfällt."

Learnings für Gründer

  • Persönlicher Service als Differenzierung: alfima bietet kostenlose Onboarding-Gespräche für jeden neuen Nutzer – in sieben Monaten wurden über 2.800 Gespräche geführt. Was kurzfristig teuer erscheint, bringt langfristig Kundenbindung und Bewertungen.
  • Aggressive Affiliate-Provisionen zahlen sich aus: 40% Lifetime-Provision klingt viel, hat aber ein Drittel aller Kunden gebracht. Bei SaaS mit hoher Marge kann das sinnvoller sein als teure Paid-Acquisition.
  • Agentur-Netzwerk ≠ Produkt-Kunden: Der Wechsel vom Dienstleistungs- zum Produktgeschäft erfordert neue Vertriebswege. Bestehende Kontakte konvertieren oft schlechter als erwartet.
  • Founder-geführte Community-Calls bauen Vertrauen: Jeden Dienstag gibt es eine offene Sprechstunde mit den Gründern. Das skaliert nicht perfekt, schafft aber eine Nähe, die VC-finanzierte Konkurrenten nicht bieten.
  • Jahreslizenzen beim Launch bringen Commitment: Statt Monatsabos zu verkaufen, startete alfima mit Jahreslizenzen. Das brachte sofort Cash-Flow und Nutzer, die das Produkt ernsthaft testen.

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Andreas Lehr