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# menstruflow: Polina Speidel über Hardware-Bootstrapping und Regulatorik (#192)
- URL: https://happy-bootstrapping.de/podcast/menstruflow-polina-speidel-uber-hardware-bootstrapping-und-regulatorik-192/
- Published: 2026-10-18T10:32:43.000Z
- Updated: 2026-10-18T10:32:43.000Z
- Author: Andreas Lehr
- Tags: newsletter, podcast, ecommerce

**Polina Speidel ist Mitgründerin von** [**menstruflow**](https://menstruflow.de/?ref=happy-bootstrapping.de) **aus Berlin. Das Startup verkauft ONEflow, ein elektrisches Periodenpad, und hat über 15.000 Kundinnen. Im ersten Quartal 2026 kamen zeitweise 1.000 Bestellungen im Monat, dreimal so viel wie im Vorjahr. Im Mai kam ein Schreiben der Behörde, und kurz darauf war menstruflow komplett offline.** 

Die Folge gibt es auf [YouTube](https://btstrp.de/folge-192y?ref=happy-bootstrapping.de), [Spotify](https://btstrp.de/folge-192s?ref=happy-bootstrapping.de), [Apple](https://btstrp.de/folge-192a?ref=happy-bootstrapping.de) und [allen anderen Playern](https://btstrp.de/folge-192?ref=happy-bootstrapping.de).

## Von der Couch zum Produkt in neun Monaten

Die Idee entstand im Januar 2023 im Urlaub. Polina hatte ihr Leben lang Periodenschmerzen und von Ärzten meist gehört, das sei normal. Im April saß das Gründungsteam beim Notar, im September 2023 ging der Shop live.

Für Hardware ist das sehr schnell. Möglich war es, weil die Technologie schon existierte: elektrische Impulse, wie man sie aus der Physiotherapie kennt. Eine Gynäkologin und eine Designerin aus dem Gründungsteam legten Frequenzen und Form der Pads fest. Polina schrieb gut zehn Hersteller an, ließ bei zweien Samples machen und entschied sich schnell.

Damals arbeitete sie noch Vollzeit in einer Unternehmensberatung. Geplant war, menstruflow nebenher zu machen. Im Juni 2023 kündigte sie trotzdem, weil sie gemerkt hatte, wie groß das Tabu rund um die Periode noch ist.

> „Ich möchte die Tabubrecherin sein."

Ein Gehalt gab es lange nicht. Polina lebte vom Ersparten und von der Unterstützung ihres Mannes. Im Oktober 2024 zahlte sie sich zum ersten Mal ein Minijob-Gehalt aus, seit Juli 2026 ein richtiges Gehalt. Es ist immer noch weniger als im Angestelltenjob.

![](https://happy-bootstrapping.de/content/images/2026/10/image-2.png)

menstruflow Landingpage

## Ein Post, 400 Bestellungen

Verkauft wurde von Anfang an über Online-Marketing, vor allem Meta Ads und Google. Dass der Start im September in das stärkste Quartal fiel, war Zufall. Im ersten Quartal 2024 kam dann gefühlt nichts mehr rein, eine Bestellung am Tag wurde gefeiert. Laut Polina stand das Startup danach kurz vor der Pleite.

Der Hebel für das starke erste Quartal 2026 war eine Kooperation mit Lisa-Marie Schiffner, die über eine Million Follower hat. Polina wusste nicht, wann der erste Post kommt. Sie sah im Shopify-Live-Tracker die Besucherzahl steigen und hielt es zuerst für einen Bot. Am Ende standen über ein Wochenende 400 Bestellungen, die sie am Montag selbst packen musste.

Beim Gerät ist menstruflow mit solchen Kampagnen ungefähr Break-even. Verdient wird über die Klebepads, die man im Schnitt nach vier Perioden nachkauft.

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Menstruflow Produktdetails

Gepackt hat Polina bis zum ersten Quartal 2026 alles selbst, in einem Self Storage bei ihr in der Straße mit knapp fünf Quadratmetern. Inzwischen macht das ein Fulfillment-Center in Essen.

## Der Brief vom Amt

Im Mai 2026 schrieb das Landesamt für Gesundheit. Das Gerät war unter einem Begriff vermarktet worden, der auf ein Medizinprodukt hindeutet. menstruflow hat diese Zertifizierung nicht. Frist: zwei Wochen.

Polina wollte eigentlich anrufen und das Missverständnis erklären. Stattdessen holte sie einen Anwalt für Medizinprodukterecht, und das Team ging Ende Mai komplett offline. Der Anwalt musste sie auch über das unwahrscheinlichste Szenario informieren, mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,001 Prozent:

> „Jeder Verkauf wäre eine Straftat gewesen und wenn wir über 15.000 Bestellungen hatten, dann habe ich als Geschäftsführerin 15.000 Straftaten begangen."

Teuer wurde es trotzdem. Gerade hatte das Team zum ersten Mal 6.000 Geräte vorproduzieren lassen, vorfinanziert über einen kurzfristigen Kredit, und auf jeder Verpackung stand der alte Begriff. Zum Glück lagen die Geräte noch beim Hersteller. Das Packaging wurde neu produziert, die Abnahme zieht sich jetzt über Monate.

Seit Juli 2026 ist menstruflow wieder online. Meta Ads funktionieren gerade nicht, weil der Pixel gesperrt ist. Aktuell sind es rund 300 Bestellungen im Monat, etwa die Hälfte von Bestandskundinnen. Neben dem eigenen Shop gibt es das ONEflow bei dm und DocMorris, Amazon kommt gerade dazu.

Die Zertifizierung selbst plant das Team für 2027\. Die Schätzungen der Berater reichen von 30.000 bis 500.000 Euro.

## Wann zieht man den harten Cut?

Nach dem Schreiben im Mai war Polina an dem Punkt, an dem sie aufhören wollte. Ihr Mann bat sie, es noch einmal zu versuchen. Das Argument war das starke erste Quartal:

> „Wir haben ja einen gewissen Proof of Concept jetzt."

Das Ziel ist jetzt, bis Q1 2027 wieder auf das alte Niveau zu kommen. Was passiert, wenn das nicht klappt, lässt sie offen und fragt sich selbst: „Und wann zieht man den harten Cut?"

## Was ich im Interview gelernt habe

**Ein Wort auf der Verpackung kann reichen.** menstruflow hat das Gerät so genannt, wie die Technologie heißt. Das hat gereicht, um wochenlang offline zu gehen und 6.000 Verpackungen neu drucken zu lassen.

**Hardware bindet Geld an der falschen Stelle.** Die größte Vorproduktion fiel genau in die Monate, in denen nichts verkauft werden konnte. Dass der Hersteller die Abnahme strecken ließ, hat das Startup gerettet.

**Die Zertifizierung wartet bis 2027.** Sie ist offen und teuer, und das Team will erst wieder wachsen:

> „Wenn wir was gelernt haben in den dreieinhalb Jahren, dann ist es sich wirklich zu fokussieren, ein Thema nach dem anderen abzuhaken."

## Learnings für Gründer

- Produktnamen und Taglines vor dem Druck rechtlich prüfen lassen, nicht erst danach.
- Bei Post von Behörden erst den Fachanwalt fragen, dann reagieren.
- Vorproduktion in kleineren Chargen hält Kapital und Flexibilität.
- Verbrauchsmaterial wie Pads macht ein Gerät zum wiederkehrenden Umsatz.
- Bei Influencer-Kooperationen vorher klären, wann gepostet wird.
- Q4 ist im E-Commerce kein Maßstab für Q1.

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Ich bootstrappe übrigens mein [eigenes Unternehmen "We Manage"](https://we-manage.de/?ref=happy-bootstrapping.de), welches **Start-Ups und Unternehmen bei Cloud, DevOps und dem nachhaltigen Betrieb von Web Applikationen** hilft - [buch dir gerne jetzt ein Termin](https://cal.com/we-manage/30min?ref=happy-bootstrapping.de).